Malaria: Bekannte Krankheit, neue Probleme |

Beim diesjährigen Internistenkongress in Wiesbaden stellte Privatdozent Dr. Tomas Jelinek im Rahmen eines reisemedizinischen Symposiums Neuigkeiten zum Thema Malaria vor. Jelinik informierte unter anderem, dass der relativ neu entdeckte Parasit Plasmodium knowlesi in Asien auf dem Vormarsch ist. 80 Prozent der Malariafälle in Borneo und Malaysia werden mittlerweile durch ihn übertragen. Jelinek zufolge nimmt der Erreger Kurs auf weitere Regionen. Der Mediziner warnte, dass P. knowlesi eine sehr kurze Vermehrungszeit im Blut hat und zu schweren Krankheitsbildern, auch mit tödlichem Verlauf, führen kann. «Schnelltests sprechen bisher nicht auf P. knowlesi an», informierte Jelinek. Generell hält er derartige Tests, die übrigens auch von der WHO verlangt wurden und zum Beispiel bei einer P.-falciparum-Infektion gut funktionieren, für eine enorme Bereicherung der Malariadiagnostik. Eine Selbsttestung von Reisenden komme aber höchstens infrage, wenn diese vorher eingewiesen wurden und die Durchführung trainiert haben.
Jelinek informierte zudem, dass die Malaria mittlerweile auch in höheren Lagen vorkommt. Das könne zum Beispiel bei Kilimandscharo-Touren wichtig werden. Oben auf dem Berg gebe es keine Malaria-Mücken, jedoch fliegen sie mittlerweile auch in Gebieten auf 1400 m Höhe unterhalb des Berges, dort wo einige Trekking-Touristen mit dem Aufstieg starten. Jelinek riet den Reisenden, zumindest eine Notfall-Medikation gegen Malaria im Rucksack zu haben, denn einen Malaria-Anfall auf dem Kilimandscharo sollte man verständlicherweise unbedingt vermeiden.
In Deutschland gibt es laut Jelinek jährlich etwa 500 diagnostizierte Malaria-Fälle. Die meisten Betroffenen seien Migranten, die Heimatbesuche gemacht haben. Problem bei dieser Bevölkerungsgruppe sei, dass sie Malaria nicht in dem Maße als Risiko wahrnehmen wie andere Touristen. Viele seien in ihrem Heimatland damit aufgewachsen, hätten aber im Laufe der Jahre in Deutschland oder einem anderen Industrieland ihre Teilimmunität gegen Malaria wieder verloren und seien damit ebenso gefährdet, schwere Verlaufsformen der Malaria zu entwickeln, wie andere Reisende.
Laut WHO-Malaria-Bericht 2012 erkrankten 2010 weltweit schätzungsweise 219 Millionen Menschen an Malaria, 660.000 starben daran. 90 Prozent der Todesopfer kamen aus Afrika, die große Mehrheit waren Kinder unter fünf Jahre. Am 25. April ist Welt-Malaria-Tag. Mit ihm soll auf Malaria als globales Gesundheits- und Entwicklungsproblem aufmerksam gemacht werden. (ss)
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23.04.2013 l PZ
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