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Inhalatives Mannitol hilft Mukoviszidose-Patienten

 

Wenn Mukoviszidose-Patienten regelmäßig Mannitol zusätzlich zu einer optimalen Standardtherapie inhalieren, verbessert dies die mukoziliäre Clearance und die Lungenfunktion. Der Effekt ist gering, aber relevant. Seit Anfang Juni ist sprühgetrocknetes Mannitol als Orphan Drug für erwachsene Patienten auf dem Markt (Bronchitol®, Pharmaxis Pharamceuticals).

 

Mannitol ist ein Zuckeralkohol und wirkt hyperosmotisch. Nach der Inhalation soll es die viskoelastischen Eigenschaften des Bronchialschleims verbessern, indem es die Hydratation des periziliären Flüssigkeitsfilms steigert. Wird der Schleim flüssiger, können die Zilien ihn besser transportieren und der Patient kann ihn leichter abhusten. Damit unterstützt Mannitol den natürlichen Reinigungsmechanismus der Lunge, der bei Mukoviszidose-Patienten beeinträchtigt ist.

 

Eine Hartkapsel enthält 40 mg sprühgetrocknetes Mannitol zur Inhalation. Die therapeutische Dosis beträgt 400 mg zweimal täglich. Das bedeutet, dass der Patient morgens und abends jeweils zehn Kapseln mithilfe des Inhalators applizieren muss. Bei der Beratung muss der Apotheker darauf hinweisen, dass die Abenddosis zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen zu inhalieren ist. Nach einer Woche muss der Patient einen neuen Inhalator nehmen.

 

Inhalatives Mannitol ist bereits seit 2008 als Diagnostikum auf dem Markt: Damit erkennt man Patienten mit einer bronchialen Hyperreagibilität. Mukoviszidose-Patienten müssen daher vor der therapeutischen Anwendung des Mannitol-Inhalats einen Toleranztest absolvieren, um eine Überempfindlichkeit der Atemwege zu erkennen. 

 

Der Nutzen des Medikaments wurde in zwei doppelblinden, randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studien mit insgesamt 642 CF-Patienten über 26 Wochen zusätzlich zu ihrer sonstigen Therapie geprüft. Das forcierte Ausatemvolumen in einer Sekunde (FEV1) verbesserte sich in beiden Studien prozentual gesehen um 2 bis 3 Prozent. Doch auch ein geringer Anstieg des Einsekundenvolumens ist relevant für den Patienten. Außerdem erlitten weniger Patienten eine akute Verschlechterung (Exazerbation). Die häufigste Nebenwirkung war Husten, darunter auch Bluthusten. (bmg)

 

15.06.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Czardases