Filme beeinflussen Rauchverhalten von Teenies |

Jugendliche, die rauchende Schauspieler in Filmen gesehen haben, greifen auch selbst häufiger zur Zigarette. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) in Kiel, die anlässlich des Welt-Nichtraucher-Tags am 31. Mai heute in Berlin vorgestellt wurde. Dafür wurden die 270 Filme, die in den Jahren 2004 bis 2010 die meisten Zuschauer ins Kino gelockt hatten, auf Raucherszenen hin untersucht. In 62 Prozent der Filme aus dem In- und Ausland gab es Szenen, in denen Schauspieler eine Zigarette in der Hand halten.
Anschließend befragte das Institut 2754 Jugendliche zwischen 12 und 13 Jahren zu ihrer Kenntnis dieser Filme sowie zu ihrem Rauchverhalten. Dabei ergab sich, dass die Anzahl der Jugendlichen, die bereits geraucht hatten, potenziell zur Anzahl der gesehenen Tabakszenen stieg. 1236 Raucherszenen hatten die Jugendlichen im Schnitt angeschaut. Bei einigen waren es sogar mehr als 6000. Diese Befragten rauchten entsprechend häufiger als ihre Altersgenossen, die nur wenige der Filme mit häufigen Raucherszenen kannten.
Auch ergab die Studie, dass die untersuchten ausländischen Filme, die größtenteils in den USA produziert wurden, mit durchschnittlich 20 Szenen pro Film deutlich weniger Raucherdarstellungen enthielten als die Filme aus deutscher Produktion (42 Szenen). Professor Dr. Reiner Hanewinkel, Geschäftsführer des IFT-Nord, macht dafür unter anderem die in Hollywood äußerst erfolgreiche «Smoke Free Movies»-Kampagne verantwortlich. Ein «Rauchfrei-Siegel» vergibt zwar auch das Aktionsbündnis Nichtrauchen an Film- und Fernsehproduktionen hierzulande, bislang jedoch nicht mit demselben Erfolg. Aus diesem Grund ist laut Hanewinkel auch die Tatsache, dass seit 2004 die Anzahl der Tabakszenen in den untersuchten Filmen kontinuierlich zurückgeht, zu einem Großteil Hollywoodproduktionen zu verdanken.
Hinzu kommt, dass in Deutschland weitaus mehr Filme ohne Altersbeschränkung in die Kinos kommen als in den USA. Von den untersuchten Filmen waren es 55. In den USA konnten nur 15 der Filme ohne Altersbeschränkung gesendet werden. Eine Zulassung ab 18 Jahren hatten dort 34 der Filme, in Deutschland wurden nur 5 als jugendgefährdend eingestuft. Je höher die Altersfreigabe eines Filmes ist, desto mehr Tabakszenen enthält er jedoch im Schnitt. Durch die niedrigeren Altersbeschränkungen sehen Jugendliche in Deutschland also weitaus mehr solcher Szenen – und rauchen selbst entsprechend häufiger.
«Rauchen muss – wie es in den USA bereits geschieht – bei der Bewertung der Altersfreigabe von Filmen mit berücksichtigt werden», forderte deshalb Dr. Uwe Prümel-Philippsen, Sprecher des Aktionsbündnis Nichtrauchen. «Außerdem muss in deutschen Film- und Fernsehproduktionen endlich damit aufgehört werden, das Rauchen als den Normalzustand darzustellen». Besonders perfide ist laut Hanewinkel die Tatsache, dass Raucherszenen in Filmen von Jugendlichen nicht als Werbung erkannt und entsprechend kritisch hinterfragt würden. «Wir müssen der Darstellung von Raucherinnen und Rauchern in Film und Fernsehen mehr positive rauchfreie Vorbilder entgegen setzen», forderte auch Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe und verwies darauf, dass in Deutschland jährlich mehr als 110.000 Menschen an den Auswirkungen des Rauchens sterben. (ah)
24.05.2012 l PZ
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