Magenkeim erhöht den Blutzuckerspiegel |

Eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori lässt bei Erwachsenen den Blutzuckerspiegel steigen und erhöht damit das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Das berichten die beiden New Yorker Forscher Yu Chen und Martin Blaser im «Journal of Infectious Diseases». Sie stützen ihre Aussage auf die Auswertung zweier populationsbasierter Studien mit insgesamt mehr als 13.000 Teilnehmern. Für ihre Analyse hatten die Wissenschaftler den Helicobacter-pylori-Status der Teilnehmer in Beziehung zu ihrem HbA1C-Wert gesetzt.
Die HbA1C-Werte, ein empfindlicher Parameter für erhöhte Blutzuckerspiegel innerhalb der vorangegangenen drei bis vier Monate, waren bei Helicobacter-pylori-positiven Probanden deutlich höher als bei Studienteilnehmern, die nicht mit dem Erreger infiziert waren. Übergewicht verstärkte diesen Effekt: Bei Teilnehmern mit hohem Body Mass Index (BMI) und Helicobacter-pylori-Infektion wurden die höchsten HbA1C-Werte gemessen.
Helicobacter pylori ist ein Bakterium, das den menschlichen Magen besiedeln kann. In den allermeisten Fällen erfolgt die Infektion im Kindesalter. Wenn sie nicht behandelt wird, geht sie in eine chronische Infektion über, die häufig von den Betroffenen gar nicht bemerkt wird. Eine Helicobacter-pylori-Infektion erhöht das Risiko für Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre sowie für Magenkrebs.
Den hier beobachteten Zusammenhang zwischen Helicobacter pylori und Blutzucker begründen die beiden Autoren damit, dass der Magenkeim die Regulation der Hormone Leptin und Ghrelin beeinflussen könnte. Ghrelin, und in geringem Umfang auch Leptin, werden in der Magenschleimhaut produziert. Als Gegenspieler regulieren die beiden Hormone den Energiehaushalt des Körpers, wobei Ghrelin für eine Drosselung des Energieumsatzes und eine Gewichtszunahme sorgt, während Leptin den Energieumsatz ankurbelt und das Hungergefühl unterdrückt. (am)
doi: 10.1093/infdis/jis106
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15.03.2012 l PZ
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