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Schweinegrippe: Kein Guillain-Barré-Syndrom durch Impfung

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Die Impfung gegen das Schweinegrippevirus hat das Risiko für ein Guillain-Barré-Syndrom (GBS) nicht erhöht. Das ergab eine Auswertung von Patientendaten aus fünf europäischen Ländern, die Forscher im Auftrag der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC vorgenommen haben.

 

Die Wissenschaftler des VAESCO-Netzwerks (Vaccine Adverse Events Surveillance and Communication) berichten im «British Medical Journal», dass sie keinen Zusammenhang zwischen der Impfung mit adjuvantierten Schweinegrippe-Impfstoffen und dem Guillain-Barré-Syndrom feststellen konnten. Sie hatten ihrer Analyse die Daten von etwa 50 Millionen Menschen aus Dänemark, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden zugrunde gelegt, in denen überwiegend die adjuvantierten Impfstoffe Pandemrix® und Focetria® verimpft worden waren.

 

Während der Schweinegrippe-Impfkampagne im Jahr 2009 kam es in diesen Ländern zu 154 GBS-Fällen, von denen 104 für die Auswertung herangezogen werden konnten. Eine erste Berechnung ergab ein 2,8-fach erhöhtes Risiko, nach der Schweinegrippe-Impfung ein GBS zu entwickeln. Wurde die Berechnung durch die bekannten GBS-Risikofaktoren «Grippe-artige Erkrankung» und «Erkrankung der oberen Atemwege» bereinigt, verschwand die Risikoerhöhung. Die Wahrscheinlichkeit, an einem GBS zu erkranken, war also mit und ohne Schweinegrippe-Impfung gleich hoch, wenn die genannten Risikofaktoren in die Berechnung einbezogen wurden (Odds Ratio 1,0, 95-prozentiges Vertrauensintervall 0,3 bis 2,7).

 

Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine akute entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven, bei der es zu Parästhesien und fortschreitenden Lähmungserscheinungen kommt. Bei den meisten Patienten verschwinden die Beschwerden nach einer Weile von selbst wieder, doch in einem Fünftel der Fälle bleiben auch sechs Monate nach Einsetzen der Symptome noch Behinderungen zurück. 3 bis 10 Prozent der Patienten sterben am GBS. Mit 0,4 bis 4 Fällen pro 100 000 Patientenjahren ist das Guillain-Barré-Syndrom eine relativ seltene Erkrankung.

 

Die genaue Ursache des GBS ist unbekannt. Als Auslöser gelten bestimmte, gerade erst durchgemachte bakterielle oder virale Infektionen, etwa mit dem Zytomegalie-, dem Epstein-Barr- oder dem Varicella-Zoster-Virus. Immer wieder werden auch Impfungen mit dem GBS in Verbindung gebracht.

 

Bei den pandemischen Influenza-Impfstoffen bestand die Befürchtung, dass sie das Risiko für ein GBS erhöhen könnten, weil 1976 in den USA eine Impfkampagne gegen vermutlich von Schweinen abstammende A-(H1N1)-Influenzaviren aufgrund eines siebenfach erhöhten GBS-Risikos abgebrochen werden musste.

 

Nachfolgende Untersuchungen mit saisonalen Impfstoffen hatten dagegen kein oder ein nur geringfügig erhöhtes Risiko für GBS nach Grippeimpfung gezeigt. Dies werteten die Autoren der vorliegenden Studie jedoch nicht als Entwarnung, da sich kleine Anstiege der Inzidenz einer Erkrankung mit der Häufigkeit des GBS nur bei Massenimpfungen von sehr vielen Menschen bemerkbar machen. Mit der aktuellen Auswertung konnten sie zeigen, dass zumindest die adjuvantierten Pandemie-Impfstoffe das GBS-Risiko nicht erhöht haben. (am)

 

doi: 10.1136/bmj.d3908

 

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21.07.2011 l PZ

Foto: Novartis Vaccines