| Melanie Höhn |
| 12.10.2026 16:25 Uhr |
Bei der Weiterentwicklung des AMNOG sprach sich Patrick van der Loo, Präsident von Pfizer Deutschland, für moderne Evidenzformen, eine frühzeitige Einbindung der Industrie in die Diskussion über geeignete Studienendpunkte und eine international anschlussfähige Nutzenbewertung aus.
Zudem wies er wie Jasmina Kirchhoff darauf hin, dass deutsche Arzneimittelpreise zunehmend internationale Auswirkungen haben, insbesondere durch die Preisreferenzierung und die US-amerikanische Meistbegünstigtenpreis-Politik. Er warnte davor, dass ein zunehmender internationaler Preisdruck dazu führen könnte, dass neue Arzneimittel später oder gar nicht mehr in einzelnen Märkten eingeführt werden. Zugleich verwies er auf die wachsende Bedeutung Chinas als Standort für biopharmazeutische Innovationen und die damit verbundenen Veränderungen im globalen Wettbewerb. Deutschland und Europa müssten deshalb ihre eigene Forschungs- und Entwicklungsleistung stärken und die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten reduzieren. Dafür forderte er bessere Standortbedingungen, schnellere Genehmigungsverfahren, harmonisierte Datenschutzanforderungen und eine gezielte Förderung von Fachkräften und Forschung.
Professor Bernd Mühlbauer, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, machte deutlich, dass die Sicherung des Pharmastandorts eine klare staatliche Aufgabe sei und nicht zulasten der gesetzlich Versicherten gehen dürfe. Besonders kritisch bewertete er die Versorgung mit Antibiotika und Plasmaprodukten, deren Verfügbarkeit in Krisensituationen lebensentscheidend sein kann. Er warnte vor der starken Abhängigkeit von asiatischen Herstellern bei Antibiotika und verwies darauf, dass Plasmaprodukte auf menschliche Spenden angewiesen sind und nicht einfach künstlich hergestellt werden können. Ein Ausfall der Plasmaspenden könne deshalb schnell zu erheblichen Versorgungsengpässen führen. Generell gebe es in Deutschland zu viele Medikamente mit geringem oder keinem Zusatznutzen.
Mühlbauer kritisierte zudem, dass in Deutschland jährlich rund 60 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben werden, darunter auch viele Präparate ohne nachgewiesenen Zusatznutzen. Die dadurch möglichen Einsparungen sollten seiner Ansicht nach genutzt werden, um die Versorgungssicherheit und die Produktion kritischer Arzneimittel zu stärken, statt die Kosten auf die Versicherten abzuwälzen.