| Sven Siebenand |
| 27.03.2026 18:00 Uhr |
Lurbinectedin ist ein Analogon der marinen Verbindung ET-736, die aus der Seescheide Ecteinascidia turbinata isoliert wurde. / © picture alliance / imageBROKER
Kleinzelliger Lungenkrebs (SCLC) macht etwa 15 bis 20 Prozent aller Lungenkrebsfälle aus. Häufig wird ein SCLC erst im fortgeschrittenen Stadium (extensive stage SCLC, ES-SCLC) diagnostiziert und ist durch ein schnelles Fortschreiten und eine schlechte Prognose gekennzeichnet. Eine Chemo-Immuntherapie gilt bei diesen Patienten als Therapiestandard. Die Checkpoint-Inhibitoren Atezolizumab, Durvalumab und Serplulimab sind hier zugelassen. Das EMA-Gremium hat heute vorgeschlagen, zwei weitere neue Wirkstoffe beim ES-SCLC zuzulassen. Final muss die EU-Kommission darüber entscheiden, ob sie diese Empfehlung umsetzt.
Der erste zur Zulassung vorgeschlagene Wirkstoff ist der bispezifische Antikörper Tarlatamab (Imdylltra®, Amgen). Die Substanz bindet zum einen an das Protein Delta-like-Ligand-3 (DLL3). Normalerweise im Golgi-Apparat gesunder Zellen vorkommend, befindet sich DLL3 beim SCLC meistens auch auf der Oberfläche der Krebszellen. Zudem bindet Tarlatamab an das Transmembranprotein CD3 auf T-Zellen. So bringt der Wirkstoff die T-Zelle mit der Tumorzelle zusammen. Die aktivierten T-Zellen führen zur Produktion von Zytokinen sowie zur Freisetzung zytotoxischer Proteine, was letztlich zum Absterben der Tumorzellen führt.
Tarlatamab wird infundiert und soll als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit ES-SCLC, die nach Fortschreiten der Erkrankung während oder nach einer Erstlinienbehandlung mit einer platinbasierten Chemotherapie eine systemische Therapie benötigen, zum Einsatz kommen.
Der europäische Zulassungsantrag für Tarlatamab basiert auf den Ergebnissen der randomisierten Phase-III-Studie DeLLphi-304. Der primäre Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben (OS). Dieses konnte mit Tarlatamab im Vergleich zur Standard-Chemotherapie signifikant verlängert werden und betrug 13,6 versus 8,3 Monate. Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Imdylltra zählen das Zytokinfreisetzungssyndrom, Appetitlosigkeit und Fieber.