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Sprache & Psyche
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Wörter mit Wanderlust

Sprache ist immer im Wandel. Doch wenn Wörter aus medizinischen Kontexten in der Alltagssprache landen und dabei ihre Bedeutung verändern, kann das Folgen haben – für unsere Wahrnehmung und die Gesellschaft.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 19.09.2024  07:00 Uhr
Probleme für die Kommunikation

Probleme für die Kommunikation

Ein Problem an der ganzen Sache ist nur, Sprache verändert sich nicht an allen Orten im selben Tempo. Während also einige Menschen bestimmte Begriffe so verstehen und verwenden wie sie es früher einmal gelernt haben, hat sich die Inhaltsebene für andere längst verschoben. Das wiederum kann sich durchaus negativ auf unsere Kommunikation untereinander auswirken, sprich: wir reden nicht immer über dasselbe, obwohl wir dasselbe sagen. Die sozialen Medien haben sicher zum Bedeutungswandel beigetragen. Wer dramatisiert oder sich als Opfer darstellt, bekommt mehr Likes. Und die vermeintlichen Täter sind schnell kriminalisiert.

Was steckt hinter den Bedeutungsverschiebungen? Der Psychologieprofessor Gregg Henriques von der US-amerikanischen James Madison University ist der Ansicht, dass unter anderem Bildung einen Einfluss hat. Nimmt das Wissen über Missbrauch oder psychische Störungen zu, erweitern sich schnell die Grenzen der Begriffe.

Angesichts der Concept Creeps plädiert Henriques schon seit Jahren dafür, an unseren Werten zu arbeiten. Das begründet er damit, dass im wirklichen Leben Fakten und Werte eng miteinander verwoben sind. Demnach ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir uns über unsere Werte im Klaren sind und sie neu definieren, um uns wieder besser verstehen zu können. In seinen Augen ist Schadensbegrenzung für die Betroffenen in jedweder Hinsicht zwar wichtig, aber keine Basis für ein wertebasiertes Leben.

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