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Expertenkommission
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Wo kam das Coronavirus her?

Vor ziemlich genau einem Jahr tauchten erste Meldungen über ein neues Virus in Wuhan auf. Doch stammt SARS-CoV-2 wirklich aus China? Und von welchem Tier? Das soll eine WHO-Expertenkommission klären. Kein leichtes Unterfangen, sowohl aus wissenschaftlicher als auch politischer Sicht.
AutorKontaktdpa
Datum 29.12.2020  11:30 Uhr

Warnungen wurden in den Wind geschlagen

Zweifellos war die anfängliche Reaktion der Behörden in Wuhan unzureichend, was selbst chinesische Offizielle eingeräumt haben. Deswegen mussten einige Verantwortliche auch ihre Posten räumen. Warnungen von Ärzten vor einer rätselhaften neuen Atemwegserkrankung oder einer möglichen Wiederkehr des SARS-Virus von 2002/03 wurden in den späten Dezembertagen in den Wind geschlagen. Einige wurden sogar mundtot gemacht.

Auch wurde noch bis 21. Januar offiziell behauptet, es gebe «keine Übertragung von Mensch zu Mensch», obwohl Ärzte schon im Dezember solche Ansteckungen erlebt hatten. «Es lässt sich sicher sagen, dass sie schlecht mit dem Ausbruch umgegangen sind», sagt der Gesundheitsexperte Huang Yanzhong von der US-Denkfabrik Council on Foreign Relations (CFR).

Beim Ausbruch eines neuartigen Virus würden aber Fehler gemacht, wenn auch einige vermeidbar gewesen wären. «Wir sollten China gegenüber fair sein», sagt Huang Yanzhong.

Heikle Mission

Auch andere Länder wie die USA hätten Fehler begangen. Er verweist darauf, wie Trump und seine Regierung die Pandemie heruntergespielt hatten. «Das ist das Gleiche.» Die These vom importierten Virus ist aus seiner Sicht «politisch motiviert». Die Suche nach den Ursprüngen sollte eigentlich wissenschaftlich neutral ablaufen, sei aber politisch heikel. Das verheiße «nichts Gutes» für die WHO-Mission.

Ohnehin steht die UN-Organisation in der Kritik, zu sehr auf der Seite Chinas zu stehen, das als wichtiges Mitglied auch viel Einfluss hat. Die Führung in Peking habe den Ton schon vorgegeben, sagt China-Kenner Huang Yanzhong. «Ich denke nicht, dass sie zulassen werden, dass das Ergebnis der Untersuchung ihr Narrativ in Frage stellen wird.»

Am Ende könnten die WHO-Experten diplomatisch auf China als bekannten Ausgangspunkt der Pandemie verweisen, aber hinzufügen, dass das Virus auch woanders hergekommen sein könnte, was weiter untersucht werden müsse. «Das würde China glücklich machen», sagt Huang Yanzhong. «Ich glaube nicht, dass wir ein wirklich schlüssiges Ergebnis haben werden, das von allen Akteuren akzeptiert werden kann.»

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