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Wissenswertes zum Thema Zuckersteuer

Die Einführung einer sogenannten Zuckersteuer war in Deutschland schon öfter im Gespräch, doch so konkret wie jetzt wurde es noch nie: Sie zählt zu den Vorschlägen der Finanzkommission Gesundheit. Was hat es damit auf sich?
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 09.04.2026  18:00 Uhr

In ihrem Ende März vorgelegten ersten Bericht empfiehlt die Finanzkommission Gesundheit unter anderem die Einführung einer gestaffelten Steuer auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke. Diese seien ernährungsphysiologisch »komplett entbehrlich« und förderten wegen ihrer geringen Sättigungswirkung eine erhöhte Energieaufnahme, was wiederum zu einem Anstieg des Risikos für Folgeerkrankungen führe. Die Kosten für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV), die durch Behandlungen dieser Folgeerkrankungen entstehen, beziffert die Kommission auf jährlich etwa 3,5 Milliarden Euro.

Erfahrungen aus mittlerweile mehr als 100 Ländern weltweit hätten gezeigt, dass die Einführung einer solchen Steuer insbesondere bei Kindern und Jugendlichen positive Gesundheitseffekte habe, etwa weniger Übergewicht und eine bessere Zahngesundheit. Als besonders gelungenes Beispiel wird Großbritannien genannt: Dort trat 2018 die sogenannte Soft Drinks Industry Levy (SDIL) in Kraft. Die SDIL ist eine Abgabe, die Hersteller von Limonaden mit zugesetztem Zucker entrichten müssen.

Sie beläuft sich auf 18 Pence pro Liter (21 Cent) bei einem Zuckergehalt zwischen 5 und 8 g/100 ml. Enthält die Limonade mehr als 8 g Zucker/100 ml, sind 24 Pence pro Liter (28 Cent) fällig. Limos mit einem Zuckergehalt unter 5 g/100 ml, Getränke auf Milchbasis, Fruchtsäfte und Produkte kleinerer Hersteller werden mit der SDIL nicht besteuert.

In Großbritannien reduzierten Getränkehersteller wegen der SDIL den Zuckergehalt ihrer Limonaden deutlich – um etwa 30 Prozent. In der Folge sank der Zuckerkonsum bei Erwachsenen und bei Kindern. Bei Mädchen zwischen zehn und elf Jahren konnte zudem ein signifikanter Rückgang der Häufigkeit von Fettleibigkeit gezeigt werden, vor allem in sozioökonomisch benachteiligten Gegenden.

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