Anke Rüdinger bedankte sich für die Unterstützung der tausenden Demonstrantinnen und Demonstranten. »Ich bin mir ganz sicher, wir alle haben Besseres zu tun, als hier vor dem Roten Rathaus zu stehen und Schilder hochzuhalten. Niemand von uns lässt gerne seine Apotheke an einem Montag geschlossen und die Patienten vor verschlossenen Türen stehen. Trotzdem demonstrieren wir heute. Nicht freiwillig und gerne, sondern weil wir dazu gezwungen werden. Weil wir der Öffentlichkeit vor Augen führen müssen, wie es ist, wenn es kaum noch Apotheken gibt.«
Aufgrund des Koalitionsvertrags habe sie geglaubt, dass eine solche Demonstration nicht mehr nötig sei. Die zahlreichen Zusagen seien auch das Ergebnis der Proteste des Jahres 2023 gewesen. »Doch damit, dass die 9,50 Euro im Koalitionsvertrag stehen, ist uns nicht geholfen. Es muss auch umgesetzt werden, auf Worte müssen Taten folgen. Die Erhöhung des Fixums muss jetzt Teil der Apothekenreform werden«, sagte Rüdinger.
»Liebe Politik, was braucht es denn noch? In Deutschland schließt jeden Tag mindestens eine Apotheke für immer. Das bedeutet längere Wege und eine schlechtere Arzneimittelversorgung. Das betrifft nicht nur das Land, sondern auch die Stadt. In Berlin hat in den letzten 10 Jahren jede fünfte Apotheke geschlossen«, sagte Rüdinger. Man wolle daher weiter kämpfen, bis sich die Situation verbessert. »Wir kämpfen alle zusammen, für die Apotheken und unsere Patienten. Gute Versorgung muss fair vergütet werden. Apotheken gibt es nicht zum Nulltarif!«
Sie könne nicht mehr hören, dass angeblich kein Geld für die Apotheken da sei. »Für die Gehälter der Vorstände, für Werbung und immer höhere Verwaltungskosten finden die Kassen ja auch immer Geld. Warum also nicht auch für die Apotheken?«, fragte Rüdinger. Man dürfe nicht bei den Offizinen sparen. »Die Menschen in diesem Land verdienen die beste Arzneimittelversorgung und die beste Gesundheitsversorgung. Das ist nur mit den Apotheken vor Ort möglich.«
Anja Zierath beklagte, dass die Apotheken kaputtgespart werden und dass jeden Tag Menschen die Apothekenberufe verlassen. »Ohne starke Apotheken gibt es bald auch keine PTA mehr. Wenn Apotheken verschwinden, dann verschwinden auch Arbeitsplätze, Perspektiven und Zukunft.« Der Beruf brauche eine Weiterentwicklung. »Wir übernehmen schon längst mehr Verantwortung. Aber wann bekommen wir die Anerkennung dafür? Wenn wir mehr leisten, dann brauchen wir mehr Perspektiven, Weiterqualifizierung und auch mehr Gehalt.«