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Stress fürs Herz
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Wie Umweltfaktoren der Gesundheit schaden

Umweltfaktoren wie Feinstaub, Lärm, Hitze und Umweltgifte können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die weltweit häufigste Todesursache, deutlich erhöhen, berichtet die Universitätsmedizin Mainz in einer Pressemitteilung.
AutorKontaktPZ
Datum 13.08.2025  14:00 Uhr

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instituts für etwa 40 Prozent aller Sterbefälle verantwortlich. Entsprechend groß ist der Bedarf sowohl an wirkungsvollen Strategien zur Vorbeugung der Krankheiten als auch an Kenntnissen zu den Risikofaktoren. Gut bekannt ist, dass Übergewicht, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel sowie eine ungesunde Ernährung entscheidend zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. Weniger bekannt sind die Auswirkungen von Lärm, Feinstaub, Hitze und Umweltgiften.

Ein internationales Forschungsteam um Professor Dr. Thomas Münzel, Universitätsmedizin Mainz, veröffentlichte nun im Fachjournal »Cardiovascular Research« eine Übersichtsarbeit zum Einfluss von Umweltfaktoren auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Nach Ansicht der Experten sollten daher die Gesamtheit der verschiedenen Umweltfaktoren und ihre vielfältigen Wechselwirkungen – das sogenannte Multimodale Exposom – eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Präventionsmaßnahmen einnehmen.

Risiko durch Umweltstressoren

Die wichtigsten Faktoren mit Auswirkungen auf die kardiovaskuläre Gesundheit sind demnach:

  • Dauerhafter Verkehrslärm aktiviert Stresshormone, stört den Schlaf, was Bluthochdruck sowie Gefäßentzündungen verursachen kann.
  • Über die Lunge gelangen insbesondere ultrafeine Staubpartikel (PM2,5, UFP) in den Blutkreislauf und fördern oxidativen Stress, Endothelschäden und Arteriosklerose.
  • Insbesondere ältere und herzkranke Menschen werden durch immer häufiger auftretende Hitzewellen belastet. Versiegelte Flächen und fehlendes Grün verstärken die Bildung von »Hitzeinseln« in Städten. Dies erhöht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle.
  • Über Nahrung und Trinkwasser gelangen Rückstände von Pestiziden, Schwermetallen und PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), die sich kaum oder gar nicht abbauen, in den Körper. Erste Studien zeigen, dass diese Schadstoffe Entzündungen verstärkten, die Gefäßfunktion beeinträchtigten und langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen könnten.

Die Mischung macht’s

Besonders bedenklich ist laut den Erkenntnissen der Wissenschaftler eine Kombination von mehreren Umweltbelastungen: Das Multimodale Exposom könne die schädigenden Auswirkungen der einzelnen Umweltstressoren deutlich vergrößern. »Lärm verstärkt die Wirkung von Luftschadstoffen und Hitze wirkt wie ein Katalysator für vaskuläre Schäden durch Toxine«, erläutert Münzel in einer Mitteilung der Universität. »Die biologischen Schnittmengen reichen von oxidativem Stress über die Aktivierung des entzündungsfördernden Enzyms NOX-2 bis zur Endotheldysfunktion – allesamt frühe Wegbereiter für den Herzinfarkt und den Schlaganfall«, ergänzt Münzel.

Das Exposom-Konzept (die PZ berichtete) biete einen ganzheitlichen Ansatz, der die komplexen Wechselwirkungen zwischen Umweltbelastungen und biologischen Reaktionen im Laufe des Lebens einer Person berücksichtigt, um sie in die Bewertung des Herz-Kreislauf-Risikos einzubeziehen und geeignete Präventionsstrategien zu entwickeln. Strengere Umwelt- und Lärmschutzgesetze, eine nachhaltige Stadtplanung und grüne Infrastruktur könnten helfen, die Belastungen durch Umweltstressoren zu reduzieren, betonen die Wissenschaftler in der Übersichtsarbeit.

 

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