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Neuer Unions-Fraktionschef
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Wie gefährlich ist Spahn für Merz?

Er war als Wirtschaftsminister im Gespräch. Doch das Amt, das Jens Spahn (CDU) jetzt übernehmen soll, ist wesentlich mächtiger: Der einstige Konkurrent von Friedrich Merz soll heute zum Fraktionsvorsitzenden der Union gewählt werden.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 05.05.2025  08:37 Uhr

Unter Kanzlerin Angela Merkel war er Gesundheitsminister – nun soll er für Friedrich Merz die Unionsfraktion im Bundestag auf Linie halten: Jens Spahn. Der 44 Jahre alte Westfale sitzt seit mehr als 20 Jahren im Parlament. In der Oppositionszeit der Union nach der verlorenen Bundestagswahl 2021 war er einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Er engagierte sich vor allem in der Wirtschaftspolitik.

Als Gesundheitsminister in der Corona-Krise und zuvor als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium sammelte Spahn einiges an Regierungserfahrung. Beim Aushandeln des Koalitionsvertrages mit der SPD saß er in der Arbeitsgruppe Wirtschaft. Das löste Spekulationen aus, er könne neuer Bundeswirtschaftsminister werden.

Kandidatur gegen Merz für Amt des Parteichefs

Seinen Wahlkreis »Steinfurt I – Borken I« gewann der CDU-Mann seit 2002 stets direkt, bei der jüngsten Bundestagswahl mit fast 42 Prozent der Erststimmen. Innerparteilich fliegen dem gelernten Bankkaufmann und studierten Politikwissenschaftler aber nicht gerade die Herzen zu. So fuhr er im Dezember 2018 im Dreikampf um die Merkel-Nachfolge an der CDU-Spitze mit 157 Stimmen das schlechteste Ergebnis ein – hinter Merz (392) und Annegret Kramp-Karrenbauer (450 Stimmen), die am Ende die Stichwahl gegen Merz gewann.

Als die CDU nur gut zwei Jahre später im Januar 2021 eine Nachfolgerin für die glücklose Kramp-Karrenbauer suchte, kandidierte Spahn zwar nicht selbst. Er unterstützte aber NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der dafür sorgte, dass Merz erneut das Nachsehen hatte. Bei der anschließenden Wahl der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden erzielte Spahn wiederum das schlechteste Ergebnis.

Heute soll Spahn zum Fraktionsvorsitzenden gewählt werden. Merz und CSU-Chef Markus Söder haben ihren Segen gegeben. Damit stiege Spahn in der CDU zum mächtigsten Mann hinter Merz auf. Das ist für den neuen Kanzler nicht ohne Risiko. Denn wenn es in der schwarz-roten Koalition nicht läuft, muss sich Merz auf Spahn verlassen. Was aber, wenn der eigene Ambitionen hat und im entscheidenden Moment nur loyal gegen sich selbst ist?

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