| Laura Rudolph |
| 05.03.2026 15:30 Uhr |
Das Baby küssen? Bei Lippenherpes ist das tabu. / © Getty Images/Westend61
Infektionen mit Herpes-simplex-Viren sind für Neugeborene und junge Babys sehr gefährlich und potenziell lebensbedrohlich. Am häufigsten findet eine Übertragung direkt bei der vaginalen Geburt statt, wenn die Mutter mit dem Herpes-simplex-Virustyp 2 (HSV-2, Genitalherpes) infiziert ist und akute Symptome hat, zu denen schmerzhafte, juckende oder brennende Bläschen im Genitalbereich zählen.
Je nach Literatur ist HSV-2 für bis zu drei Viertel aller neonatalen Herpesinfektionen verantwortlich. Eine solche Infektion kann für das Neugeborene potenziell lebensbedrohlich sein und bleibende Schäden verursachen, da sein Immunsystem noch nicht voll ausgeprägt ist, und erfordert in der Regel eine langwierige Behandlung mit Virustatika auf der Intensivstation.
Sehr viel seltener infizieren sich Babys nach der Geburt mit Herpes simplex, dann mit dem Virustyp HSV-1, der sich bei Erwachsenen als Lippenherpes äußert. Vor allem bei Babys unter sechs Monaten ist aufgrund des noch nicht ausgereiften Immunsystems Vorsicht angesagt.
In welchen Alltagssituationen besteht eine reale Gefahr, dass sich Babys mit HSV-1 infizieren – und welche Folgen drohen? Darüber hat die PZ mit Dr. Charlotte Schulz, Kinderärztin und Pressesprecherin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ) Hamburg, gesprochen.
Die wichtigste Vorsichtsmaßnahme lautet: Personen mit akuten Lippenherpes-Symptomen sollten Babys keinesfalls küssen oder in den engen Kontakt gehen. Aber: »Die reine Anwesenheit einer Person mit Lippenherpes im Raum stellt noch keine Ansteckungsgefahr dar. HSV-1 ›fliegt‹ nicht durch die Luft«, beruhigt die Kinderärztin. Eine Infektion setze engen Kontakt voraus, bei dem infektiöser Bläscheninhalt auf die Haut oder Schleimhäute des Babys gelangt. Das kann passieren, wenn Betroffene zunächst ihre Herpesbläschen berühren und anschließend das Baby im Gesicht anfassen oder es küssen.
Kinderärztin Dr. Charlotte Schulz / © BVKJ
Die Übertragung erfolgt daher nahezu ausschließlich als Schmierinfektion. »Tröpfcheninfektionen spielen – wenn überhaupt – nur bei offenen, feuchten Herpesläsionen eine Rolle und auch dann nur im unmittelbaren Nahbereich«, so Schulz, etwa wenn jemand mit frischen Herpesbläschen das Baby direkt anhustet.