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Gesundheitschancen
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Wie Armut wirkt und was Apotheken leisten können

Armut ist einer der größten Gesundheitsrisiken in der Gesellschaft. Darüber wird derzeit auf dem Public Health-Kongress »Armut und Gesundheit« in Berlin diskutiert. Welche wichtige Rolle nehmen Apotheken für die Stärkung der Gesundheitskompetenz ein?
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 17.03.2026  17:30 Uhr
Wie Armut wirkt und was Apotheken leisten können

Welcher Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit besteht, verdeutlichte Jens Hoebel von der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring des Robert-Koch-Instituts. Er präsentierte zentrale Ergebnisse des RKI-Panels »Gesundheit in Deutschland 2024« auf dem Kongress. »Auch in einem wohlhabenden Land wie Deutschland sind die Gesundheitschancen und Krankheitsrisiken der Menschen eng mit ihrer sozialen Lage verknüpft. Menschen in Armuts­lagen haben zwei- bis vierfach erhöhte Risiken für zahlreiche, häufig chronisch verlaufende Erkrankungen.«

Dies spiegele sich auch in einer deutlich kürzeren Lebens­erwartung von Menschen mit Armuts­erfahrung wider, sagte Hoebel, dessen Fachgebiet Soziale Determinanten der Gesundheit ist. Seit Anfang der 2000er-Jahre sei die Schere in zentralen Bereichen der Gesundheit weiter auseinander­gegangen. 

Zusammenhang zwischen Diskriminierung und Gesundheit

Im Rahmen der ersten Jahres­welle des RKI-Panels wurden mehr als 26.000 Menschen bundesweit auch zu ihren Erfahrungen alltäglicher Diskriminierung und ihrem Gesundheits­zustand befragt. Die Daten für 2024 zeigen: Mehr als zwei Drittel der Erwachsenen in Deutschland erleben selten oder manchmal Diskriminierung im Alltag. Mehr als 12 Prozent geben an, oft oder sehr oft entsprechende Erfahrungen zu machen. Besonders häufig erleben Menschen mit niedrigem Einkommen, Erwerbslose, trans oder genderdiverse Personen, junge Erwachsene sowie Menschen mit Migrations­geschichte alltägliche Diskriminierung. Fast die Hälfte erfährt Mehrfach­diskriminierung.

Laut Hoebel belegen die Daten einen »deutlichen Zusammenhang zwischen Diskriminierung und Gesundheit«. Mit zunehmender Häufigkeit und Anzahl wahr­genommener Diskriminierungs­gründe steigt die Wahrscheinlichkeit für gesundheitliche Probleme deutlich an. Bei Personen, die besonders oft und aus mehreren Gründen zugleich Diskriminierung erfahren, sind gesundheitliche Probleme teils doppelt so häufig wie bei Personen ohne diese Erfahrungen. Um gesundheitliche Chancengerechtigkeit zu erreichen, fordert Hoebel von der Politik eine umfassende »Health-in-all-policies«-Strategie. 

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