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Welttag der seelischen Gesundheit
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Wie Angehörige Menschen mit Depression helfen können

Wer depressiv ist, stößt im Umfeld oft auf Unsicherheit und Unverständnis. Experten erklären, was Angehörige und Freunde wissen müssen, um einem erkrankten Menschen gut beiseite stehen zu können.
AutorKontaktdpa
Datum 10.10.2025  11:00 Uhr

Warum es oft schwerfällt, sich in depressive Menschen hineinzuversetzen

»Depressiv zu sein ist ein Zustand, den Nicht-Betroffene einfach nicht nachvollziehen können«, sagt Hegerl. Er nennt ein Beispiel: Jemand hat eine nette Familie, einen tollen Job und keine finanziellen Sorgen. »Trotz dieser Lebensumstände kann jemand depressiv sein – und das verstehen Außenstehende oftmals nicht«, so Hegerl, der Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist.

Hinzu kommt: »Für Außenstehende ist es schwer zu akzeptieren, dass Depressive auf dem Höhepunkt ihrer Erkrankung nicht den Willen haben, etwas an ihrer Lebenssituation zu verändern«, sagt Meisenzahl-Lechner. Oder die Kraft. Von Reaktionen wie ›Wenn du wollen würdest, könntest du auch aus dem Tal herauskommen‹ oder ›Jetzt stell dich doch mal nicht so an‹ rät sie dringend ab. Angehörige und Freunde müssten die Depression ihres Gegenübers akzeptieren. Das ist die Grundlage.

Was Angehörige und Freunde tun können

  1. Informieren: »Wichtig ist, dass sich Angehörige und Freunde informieren, was eine Depression ist und wie sie entstehen kann«, sagt Hegerl. Infos über Ursachen und Auslöser gibt es beispielsweise auf der Website der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. So können etwa eine genetische Veranlagung, Spannungen oder Veränderungen in der Familie oder auch ein toxisches Arbeitsumfeld eine Depression hervorrufen, sie muss aber nicht immer einen solchen Auslöser haben.

  2. Ärztin oder Arzt für Diagnose aufsuchen: Wer länger als zwei Wochen permanent depressiv ist, sollte für eine sichere Diagnose so schnell wie möglich die Hausärztin oder den Hausarzt aufsuchen. Angehörige können dabei unterstützen und Begleitung anbieten.

    Weigert sich der oder die Betroffene, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen, sollten Angehörige oder Freunde selbst die Initiative ergreifen und für die betroffene Person einen Termin vereinbaren, so Meisenzahl-Lechner. Dabei auch immer wieder der womöglich erkrankten Person signalisieren: »Ich sehe, es geht dir nicht gut, lass dich doch mal durchchecken.«

    In der Hausarztpraxis sollte auch eine umfassende körperliche Untersuchung erfolgen, sagt die Medizinerin. So können depressive Verstimmungen etwa auch mit einer anderen Erkrankung zusammenhängen. Die Symptome verschwinden dann mit einer entsprechenden Therapie. Ergibt die Untersuchung, dass der Patient oder die Patientin eine Depression hat, sollte so schnell wie möglich eine Behandlung beginnen.

  3. Auf leicht zugängliche Hilfsangebote hinweisen: Angehörige und Freunde können einem offensichtlich depressiven Menschen etwa die Telefonseelsorge nennen, wo man sich täglich rund um die Uhr, kostenfrei und anonym beraten lassen kann (Telefon 0800/1110111 oder 0800/1110222 sowie online).

    Auch Online-Foren zu Depression können nützlich sein. Der Vorteil: »Der Zugang zu Informationen und Erfahrungsberichten anderer Menschen mit Depression ist niederschwellig«, sagt Hegerl. Meist könne man sich anonym austauschen. Fachlich moderiert wird etwa »Diskussionsforum-depression.de«.

    Austausch bieten auch Selbsthilfegruppen, sie findet man etwa über die Datenbanksuche der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen. Wichtig: Ein Ersatz für eine Behandlung ist das natürlich nicht.

Eine Depression hat sowohl psychosoziale Aspekte als auch körperliche. Je nach Schwere der Erkrankung ist laut Meisenzahl-Lechner eine Behandlung mit Antidepressiva angezeigt, außerdem eine Psychotherapie. »Wenn dies alles kein Erfolg bringt, dann nicht warten, sondern mit dem Arzt oder mit der Ärztin andere Therapieformen erörtern«, so die Professorin.

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