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Eisbaden
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Wer wagt, gewinnt

Eisbaden erfreut sich an zahlreichen Ost- und Nordseestränden als Neujahrsritual großer Beliebtheit. Auch das Eintauchen im eigenen Eisbadebecken zu Hause liegt aktuell im Trend. Studien deuten auf positive Effekte für die Gesundheit hin.
AutorKontaktCarolin Kühnast
Datum 09.01.2026  18:00 Uhr

Unter Eisbaden oder auch Kaltwasser-Baden (Cold Water Immersion, CWI) versteht man das vollständige oder teilweise Eintauchen des Körpers in kaltes Wasser. Die Kälteexposition wird für mindestens 30 Sekunden gehalten und die Wassertemperatur beträgt typischerweise weniger als 15 °C. Viele verbinden das Kaltwasser-Tauchen mit einer vorangehenden erwärmenden Sporteinheit oder einem Saunagang.

Eisbaden kostet einiges an Überwindung. Das kalte Wasser steigert innerhalb weniger Minuten die Herzfrequenz, den Blutdruck, die Atmung und die Aufnahme von Sauerstoff in den Körper. Der Kältereiz aktiviert das sympathische Nervensystem, steigert die Ausschüttung von Noradrenalin sowie Costisol und fühlt sich wie »viele kleine Nadelstiche« an. Alle Symptome dienen einem natürlichen Fluchtreflex, der normalerweise dazu führt, dass man sich aus dem Eiswasser entfernt.

Hat man dem Reiz einige Zeit widerstanden, erweitern sich nach dem Verlassen des kalten Wassers die Gefäße wieder. Die Durchblutung wird angeregt und die Haut erscheint gerötet. Kurzfristige Nebenwirkungen können auch Schwindel, Juckreiz oder Muskelkrämpfe sein. Eisbaden führt bei vielen Sportlern nach intensivem Training zu einer subjektiven Reduktion von Muskelkater und Erschöpfung. Für diese Effekte gibt es allerdings laut einer umfassenden Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023, welche im Fachjournal »Frontiers in Physiology« veröffentlicht wurde, nur widersprüchliche Ergebnisse.

Für gesunde Erwachsene ist Eisbaden unbedenklich und kann je nach Belieben mehrmals die Woche praktiziert werden. Aufgrund der Belastung des Herz-Kreislauf-Systems sollten Patienten mit peripheren Durchblutungsstörungen, Herzinsuffizienz, einem durchlebten Herzinfarkt oder anderen kardiovaskulären Erkrankungen besser darauf verzichten. Dies ergab eine Studie, die 2022 im Fachjournal »Circulation« veröffentlicht wurde. Untersucht wurde darin der Zusammenhang zwischen außergewöhnlichen Temperaturen und der Sterblichkeit aufgrund von bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Durch die Einwirkung von extrem kalten Temperaturen stieg das Mortalitätsrisiko bei Menschen mit Vorerkrankungen an.

Auch bei bestimmten Sensibilitätsstörungen der peripheren Nerven ist Eisbaden nicht empfehlenswert. Im Zweifelsfall sollte vor dem Kaltwasser-Tauchen der Rat eines Arztes eingeholt werden.

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