Das gemeinsame Neujahrsschwimmen hat in einigen Gemeinden eine lange Tradition. Auch jenseits von solchen Gruppenevents empfinden viele Menschen regelmäßiges Eisbaden als erfrischend und wohltuend. / © Adobe Stock/Tom Bayer
Unter Eisbaden oder auch Kaltwasser-Baden (Cold Water Immersion, CWI) versteht man das vollständige oder teilweise Eintauchen des Körpers in kaltes Wasser. Die Kälteexposition wird für mindestens 30 Sekunden gehalten und die Wassertemperatur beträgt typischerweise weniger als 15 °C. Viele verbinden das Kaltwasser-Tauchen mit einer vorangehenden erwärmenden Sporteinheit oder einem Saunagang.
Eisbaden kostet einiges an Überwindung. Das kalte Wasser steigert innerhalb weniger Minuten die Herzfrequenz, den Blutdruck, die Atmung und die Aufnahme von Sauerstoff in den Körper. Der Kältereiz aktiviert das sympathische Nervensystem, steigert die Ausschüttung von Noradrenalin sowie Costisol und fühlt sich wie »viele kleine Nadelstiche« an. Alle Symptome dienen einem natürlichen Fluchtreflex, der normalerweise dazu führt, dass man sich aus dem Eiswasser entfernt.
Nach dem Eisbaden sollten direkt ein Handtuch und wärmende Kleidung zur Hand sein. / © Getty Images/Alex Ratson
Hat man dem Reiz einige Zeit widerstanden, erweitern sich nach dem Verlassen des kalten Wassers die Gefäße wieder. Die Durchblutung wird angeregt und die Haut erscheint gerötet. Kurzfristige Nebenwirkungen können auch Schwindel, Juckreiz oder Muskelkrämpfe sein. Eisbaden führt bei vielen Sportlern nach intensivem Training zu einer subjektiven Reduktion von Muskelkater und Erschöpfung. Für diese Effekte gibt es allerdings laut einer umfassenden Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023, welche im Fachjournal »Frontiers in Physiology« veröffentlicht wurde, nur widersprüchliche Ergebnisse.
Für gesunde Erwachsene ist Eisbaden unbedenklich und kann je nach Belieben mehrmals die Woche praktiziert werden. Aufgrund der Belastung des Herz-Kreislauf-Systems sollten Patienten mit peripheren Durchblutungsstörungen, Herzinsuffizienz, einem durchlebten Herzinfarkt oder anderen kardiovaskulären Erkrankungen besser darauf verzichten. Dies ergab eine Studie, die 2022 im Fachjournal »Circulation« veröffentlicht wurde. Untersucht wurde darin der Zusammenhang zwischen außergewöhnlichen Temperaturen und der Sterblichkeit aufgrund von bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Durch die Einwirkung von extrem kalten Temperaturen stieg das Mortalitätsrisiko bei Menschen mit Vorerkrankungen an.
Auch bei bestimmten Sensibilitätsstörungen der peripheren Nerven ist Eisbaden nicht empfehlenswert. Im Zweifelsfall sollte vor dem Kaltwasser-Tauchen der Rat eines Arztes eingeholt werden.
2025 erschien im Fachjournal »PLOS One« eine Metaanalyse zu den psychologischen, kognitiven und physiologischen Effekte des Eisbadens, die elf Studien mit insgesamt 3177 gesunden Erwachsenen einschloss. Sie ergab, dass während des Kaltwasser-Tauchens und noch eine Stunde danach Entzündungsparameter im Körper erhöht sind. Der Anstieg scheint eine natürliche Reaktion des Körpers auf die Kälte als Stressreiz zu sein. Dies steht jedoch in Gegensatz zu einer früheren Untersuchung, in der eine Verringerung von Entzündungen beobachtet wurde. Hier spielen wahrscheinlich Unterschiede zwischen den Populationen und bei den beobachteten Parametern eine Rolle.
Eine Kälteanwendung in regelmäßigen Abständen über einen längeren Zeitraum scheint laut der Metaanalyse einen positiven Effekt auf das Immunsystem zu haben. Die Autoren berichten von einer Studie, in der die Probanden laut eigenen Angaben weniger krank wurden als üblich. Die Evidenz des »abhärtenden« Effektes ist aufgrund des Studiendesigns allerdings recht vage. Die Ergebnisse deuten zudem auf eine Verbesserung der Schlaf- und Lebensqualität hin. Interessant war die Feststellung, dass sich das persönliche Stresslevel nach dem Eisbaden zwar nicht direkt im Anschluss, aber zwölf Stunden danach deutlich reduzierte. Dies scheint auf eine verzögerte Anpassung des Körpers auf den Kältereiz hinzudeuten.
Trotz der vorliegenden Ergebnisse ist die Evidenz für die gesundheitlichen Vorteile des Eisbadens nach wie vor gering. Die Auswirkungen scheinen zeitlich begrenzt zu sein und wurden meist anhand von Beobachtungen der Probanden zusammengetragen. Außerdem unterschieden sich die Wassertemperaturen (zwischen 7 °C und 15 °C), Verweildauern (30 Sekunden bis zwei Minuten) sowie die Art der Kälteexposition (Eisbaden, kalte Duschen) deutlich voneinander. Viele Studien wurden an männlichen Sportlern durchgeführt, was eine Übertragbarkeit auf die allgemeine Bevölkerung zusätzlich erschwert.
Für eine bessere Evidenz sind größere Studienpopulationen und längere Untersuchungszeiträume nötig. Bereits jetzt kann man interessierten Apothekenkunden jedoch raten, es einfach einmal auszuprobieren, sofern keine gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen – und sie sich trauen.