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Gerinnungshemmung
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Weniger ist mehr

Kardiovaskuläre Ereignisse zu verhindern, ist das Ziel jeder gerinnungshemmenden Therapie. Wichtig ist dabei aber auch, das Blutungsrisiko der Patienten im Blick zu haben. Aus diesem Grund sind die Empfehlungen mittlerweile zurückhaltender geworden.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 20.01.2026  16:00 Uhr

Wie sich die Sicht auf die gerinnungshemmende Therapie gewandelt hat, zeigt der Stellenwert der niedrig dosierten Acetylsalicylsäure (ASS) in der Primärprävention eindrücklich. Früher wurde die Einnahme sehr großzügig empfohlen – zu großzügig nach heutiger Einschätzung. Denn als Thrombozytenaggregationshemmer kann ASS zwar kardiovaskuläre Ereignisse verhindern, aber um den Preis eines erhöhten Blutungsrisikos insbesondere bei älteren Menschen. »Jahrzehntelang hat man nur auf die kardiovaskulären Ereignisse gestarrt und das Blutungsrisiko vernachlässigt«, veranschaulichte Professor Dr. Edelgard Lindhoff-Last vom Cardioangiologischen Zentrum Bethanien, Studienzentrum Frankfurt am Main, beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming.

Zu diesem Umdenken geführt haben vor allem drei große Studien, deren Ergebnisse 2018 veröffentlicht wurden: ASCEND, ARRIVE und ASPREE. An der ASCEND-Studie hatten Diabetiker teilgenommen, an der ARRIVE-Studie Patienten mit vaskulären Risikofaktoren und an der ASPREE-Studie ältere Menschen zwischen 65 und 70 Jahren. »In allen drei Studien gab es unter ASS gegenüber Placebo keinen Vorteil hinsichtlich der Ereignisrate, aber signifikant mehr Blutungen, vor allem im oberen Gastrointestinaltrakt«, fasste die Referentin zusammen. Vor allem bei älteren Menschen habe ASS daher keinen Platz mehr in der Primärprävention.

Blutungen können tödlich enden

Ein medikamentös erhöhtes Blutungsrisiko könne nur in Kauf genommen werden, wenn das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse eindeutig erhöht ist. Denn auch das Blutungsrisiko stelle eine reale Bedrohung für die Patienten dar: »Unter einer gerinnungshemmenden Therapie endet jede dritte Hirnblutung und jede zehnte gastrointestinale Blutung tödlich.«

Je stärker die Blutgerinnung gehemmt wird, desto höher ist das Risiko. Daher müsse in Therapiesituationen, in denen zur Sekundärprävention eine duale Plättchenhemmung (DAPT) aus ASS und einem P2Y12-Hemmer oder sogar eine Tripletherapie aus DAPT plus direktem oralem Antikoagulans (DOAK) indiziert sind, die Medikation nach einer Weile überprüft und möglichst deeskaliert werden. So sei eine DAPT bei einem akuten Koronarsyndrom etwa bei Patienten mit niedrigem Blutungsrisiko für zwölf Monate indiziert, bei erhöhtem Blutungsrisiko könne aber bereits nach einem Monat auf eine Monotherapie reduziert werden.

Notwendig sei die regelmäßige Überprüfung insbesondere bei Vorliegen mehrerer Erkrankungen, die zusammengenommen eine Indikation für eine Tripletherapie ergeben, etwa Vorhofflimmern (VHF) plus periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK) oder koronare Herzkrankheit (KHK), – vor allem bei älteren Menschen keine Seltenheit. »Spätestens zwölf Monate nach einer Stentimplantation sollte bei diesen Patienten die Medikation auf eine DOAK-Monotherapie deeskaliert werden«, betonte Lindhoff-Last. Das werde jedoch sehr häufig vergessen. Apothekenteams könnten in einem solchen Fall gegenüber dem Arzt darauf hinweisen. »Dafür brauchen wir Sie«, betonte die Referentin.

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