| Melanie Höhn |
| 14.09.2026 15:30 Uhr |
Nach den Höchstständen der Vorjahre sind die Kaufpreise für Apotheken laut einer Analyse der Apobank spürbar gesunken. / © Imago Images/photothek
Eine neue Analyse der Apobank zu den Apothekengründungen 2025 deutet darauf hin, dass viele Investitionsentscheidungen im vergangenen Jahr von wirtschaftlicher und gesundheitspolitischer Unsicherheit beeinflusst waren. Demnach sanken die Kaufpreise für Apotheken im Schnitt um etwa ein Fünftel, und der Frauenanteil unter den Existenzgründenden fiel auf 41 Prozent.
Nach den Höchstständen der Vorjahre seien die Kaufpreise für Apotheken spürbar gesunken, heißt es in der Analyse. Apothekerinnen und Apotheker, die sich für die berufliche Selbstständigkeit entschieden haben und eine eigene Apotheke übernahmen, zahlten laut Apobank-Analyse hierfür durchschnittlich 461.000 Euro. Das sei der niedrigste Wert seit vielen Jahren. Im Jahr 2024 habe der durchschnittliche Übernahmepreis noch bei 584.000 Euro gelegen.
Insgesamt investierten die Existenzgründer 2025 einschließlich Übernahmepreis, Warenlager, Investitionen und Betriebsmitteln durchschnittlich 673.000 Euro in ihre erste eigene Apotheke. Trotz des Rückgangs bleibt die Spanne der Kaufpreise beachtlich: Während jede achte Apotheke für höchstens 50.000 Euro den Eigentümer wechselte, zahlte jeder zehnte Existenzgründer eine Million Euro oder mehr.
Besonders auffällig sei der Rückgang des Frauenanteils unter den Gründenden. Obwohl 82 Prozent der angestellten Approbierten in öffentlichen Apotheken Frauen seien, würden sich immer weniger von ihnen für die Selbstständigkeit entscheiden: 2025 sank der Frauenanteil unter den Existenzgründenden auf 41 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 48 Prozent, 2019 sogar 59 Prozent. Damit hat sich das Verhältnis innerhalb weniger Jahre deutlich verschoben.
»Aus den Gesprächen mit unseren Kundinnen und Kunden wissen wir, dass die wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Unsicherheiten der vergangenen Jahre die Gründungsbereitschaft deutlich belastet haben«, sagte Nicole Wortmann, Leiterin des Bereichs Gesundheitsmarkt bei der Apobank. »Nach unserer Beobachtung sind Frauen häufig vorsichtiger, wenn es um den Schritt in die Selbstständigkeit geht. Entsprechend waren durch fehlende Planungssicherheit und die Ungewissheit über die wirtschaftliche Zukunft vor allem Apothekerinnen zurückhaltender bei der Existenzgründung.«
Der Weg zur eigenen Apotheke führt laut der Analyse weiterhin nahezu ausschließlich über den Kauf eines bestehenden Betriebs. 61 Prozent der Gründerinnen und Gründer übernahmen 2025 eine Apotheke, um in die Selbstständigkeit zu starten. Weitere 31 Prozent kauften eine Apotheke, um diese als Filiale einzubinden. Komplette Neugründungen bleiben mit insgesamt zwei Prozent die Ausnahme.
Jede fünfte übernommene Apotheke wurde 2025 im Rahmen eines Verbundes gekauft. Vier von fünf dieser Verbundübernahmen bestehen aus zwei Apotheken – dafür wurde ein durchschnittlicher Kaufpreis von knapp 1,1 Millionen Euro gezahlt. Einschließlich Warenlager, Investitionen und Betriebsmitteln lag die Gesamtsumme bei gut 1,4 Millionen Euro.
Auch hier zeigen sich Frauen laut Apobank zurückhaltender: Wenn sie sich für einen Apothekenverbund entschieden haben, dann für die kleinere Variante mit zwei Apotheken. Ihr Anteil lag hier insgesamt bei 41 Prozent. Größere Verbünde, bestehend aus drei Apotheken, wurden ausschließlich von Männern übernommen.
»Nach Jahren wirtschaftlicher und gesundheitspolitischer Unsicherheit gibt es allerdings Anlass zur Zuversicht, denn die jüngsten Reformen haben das Potenzial, die wirtschaftlichen Perspektiven von Apotheken zu verbessern«, resümiert Nicole Wortmann.
»Erstmals seit langer Zeit sehen wir wieder ein Umfeld, das von mehr Planungssicherheit und einer spürbar positiveren Grundstimmung geprägt ist. Die politischen Signale der vergangenen Monate zeigen, dass die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheken für die Gesundheitsversorgung wieder stärker in den Fokus rückt. Das sorgt für neue unternehmerische Perspektiven und positive Impulse für zukünftige Existenzgründungen.«