Anhand von fünf verschiedenen im Expertenkonsens festgelegten Begriffen für die Suche in den App-Stores notierte Binder die ersten, maximal 20 Treffer in absteigender Reihenfolge mit Namen und Anbieter der App. Von ursprünglich 80 identifizierten Apps erfüllten lediglich drei Apps alle definierten Einschlusskriterien.

Apothekerin Imke Binder / © studioline Photography
»Adhärenz-Apps bieten die Chance, Patientinnen und Patienten bei der regelmäßigen Einnahme ihrer Arzneimittel zu unterstützen. Entscheidend ist jedoch, dass diese einfach zu bedienen sind und den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer entsprechen«, fasst Binder ihre zentralen Erkenntnisse zusammen.
Hinsichtlich der Bewertung mithilfe der Skala uMARS-G unterschieden sich diese Apps leicht, wobei die Patienten die Apps im Trend schlechter bewerteten als das Studienpersonal. Im praktischen Test zeigten sich in der Gruppe der älteren, multimorbiden Patienten deutlichere Unterschiede. So war der Zeitbedarf, um die App einzurichten oder auch eine Einnahmeerinnerung anzulegen, bis zu dreimal höher, wenn die App mit dem niedrigsten und dem höchsten Zeitbedarf verglichen wurde.
Ein zentrales Ergebnis der Arbeit war die Schwierigkeit, aus einer scheinbar großen Anzahl verfügbarer Apps die tatsächlich geeigneten zu identifizieren. Die definierten Einschlusskriterien reduzierten die Zahl potenzieller Apps drastisch – was verdeutlicht, dass die Zahl potenziell geeigneter Apps deutlich geringer ausfällt, als es das zunächst umfangreiche Angebot in den App-Stores vermuten lässt.
In der Masterarbeit wurden am Ende die drei Apps »Digitale Hausapotheke« (Ligari GmbH, Version 3.0.12), »Mediteo« (Mediteo GmbH, Version 4.22.1) und »TOM Medikamentenmanager« (Innovation 6 AG, Version 3.24.0) in die weiteren Datenerhebungen eingeschlossen.
Dabei ist zu beachten, dass die Apps ständigen Aktualisierungen unterliegen. Funktionen, Datenschutzkonzepte oder Benutzeroberflächen können sich innerhalb kurzer Zeit erheblich verändern. Die Bewertung einer App stellt daher immer nur eine Momentaufnahme dar. Dies erschwert es, die Qualität und den Nutzen der Adhärenz-Apps langfristig zu beurteilen.