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Schadstoffe in Kosmetik
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Weiterverkauf trotz Verbot

Das Recherche-Projekt »Correctiv« hat Kosmetika im Internet eingekauft – und bemängelt einen Weiterverkauf von Produkten mit längst verbotenen Substanzen.
AutorKontaktPZ
Datum 15.04.2026  13:30 Uhr

Deos, Duschgels, Shampoos und Haarfärbemittel mit dem Duftsstoff Lilial oder dem Lösungsmittel Cyclohexen, Perfluorononyl-Dimethicon in Eyelinern, Cloprostenol-Isopropylester in Wimpernseren oder Trimethylbenzoyl-Diphenylphosphinoxid in Nagelgelen: Das Schnellwarnsystem »Safety Gate« der EU ist voll von Meldungen zu deutschen Produkten, die potenziell gesundheitsschädliche Stoffe enthalten, aber offensichtlich weiterhin verkauft werden.

Darunter fänden sich Kosmetikartikel, die auch jahrelang nach dem offiziellen Verbot auf Online-Plattformen im Umlauf seien, schreibt »Correctiv«. So erwarb das Rechercheteam beispielsweise einen Nivea-Rasierschaum mit Lilial (BMHCA) auf Amazon.

In den vergangenen zehn Jahren habe die EU mehr als 4000 Produkte offiziell vom Markt genommen, so Correctiv. Viele seien jedoch weiterhin erhältlich, beklagt die investigative Recherche-Plattform. In Deutschland seien besonders bekannte Marken wie Nivea (Beiersdorf), Schwarzkopf oder Schauma (Henkel) betroffen. Die Firmen selbst gaben an, die Produkte nach dem Verbot nicht mehr auszuliefern.

Correctiv bemängelt, dass es zu wenig Überprüfungen gebe. Das gelte auch, wenn neue Produkte auf den Markt kommen. Es werde nur stichprobenartig getestet und nicht alle Proben würden tatsächlich im Labor analysiert. Wimpern-Produkte mit Prostaglandin-Analoga sind zwar von der EU-Kommission als »nicht sicher« eingestuft, ständen aber trotzdem noch in den Regalen großer Drogerieketten.

Ein weiterer Kritikpunkt: Produkte mit Chemikalien, die aus Gesundheitsgründen verboten werden, dürfen derzeit noch bis zu 18 Monate lang weiterverkauft werden. Zwei Ausschüsse des EU-Parlaments stimmen laut Correctiv am heutigen Mittwoch darüber ab, diese Frist auf sechs Jahre zu verlängern. Damit würde der Verbraucherschutz in diesem Bereich weiter aufgeweicht, kritisieren die Investigativ-Journalisten.

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