| Christina Hohmann-Jeddi |
| 27.08.2026 16:00 Uhr |
Seit 1969 wurden in Europa fast 150 Fälle von Flughafenmalaria nachgewiesen. Die Hälfte betraf Beschäftigte internationaler Flughäfen, vor allem in Paris, Brüssel und Frankfurt am Main. / © Getty Images/YakobchukOlena
Jedes Jahr treten in Deutschland etwa 800 bis 1000 Malariaerkrankungen auf, die an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet werden. Dem RKI zufolge wurden im Jahr 2024 insgesamt 934 Malaria-Fälle gemeldet. Sie haben eines gemeinsam: Die Infektion wurde aus Reiseländern – Endemiegebieten für Malaria vor allem im tropischen Afrika – importiert.
In sehr seltenen Fällen kommt es auch in Deutschland zu Infektionen, in der Regel in der Nähe von internationalen Flughäfen. Diese sogenannte Flughafenmalaria geht auf infizierte weibliche Anophelesmücken zurück, die entweder im Gepäck von Reisenden oder im Frachtraum von Flugzeugen nach Deutschland eingeschleppt wurden und in der Umgebung von Flughäfen Menschen gestochen haben.
Aktuell berichtet das RKI von einem Ausbruch von Malaria tropica, die durch den Einzeller Plasmodium falciparum verursacht wird, bei Beschäftigten des Frankfurter Flughafens. Sechs Personen sind laut Angaben des Gesundheitsamtes Frankfurt erkrankt, und zwei von ihnen gestorben. Das Geschehen wird jetzt genauer untersucht.
Solche Fälle von Flughafenmalaria kamen in Deutschland in der Vergangenheit vereinzelt vor. Der letzte Fall in Deutschland wurde 2023 – ebenfalls am Frankfurter Flughafen – dokumentiert, informiert das RKI in seinem Journal »Epidemiologisches Bulletin«.
Laut einer Literaturanalyse, die Forschende um Luisa Hallmeier-Wacker vom European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) 2025 veröffentlichten, traten in Europa von 1969 bis Anfang 2024 insgesamt 145 Fälle von Flughafen- beziehungsweise Koffermalaria in neun europäischen Ländern auf. Bei Koffermalaria handelt es sich um eine Unterform, bei der sich Reisende oder Angehörige durch Mücken infizieren, die sie durch Öffnen der Koffer entfernt vom Flughafen freilassen.
Besonders häufig waren Flughafenmalaria-Fälle in Frankreich (52 Erkrankungen), Belgien (19 Erkrankungen) und Deutschland (neun Erkrankungen, davon acht in Frankfurt). Die Hälfte der Patienten arbeitete an einem internationalen Flughafen oder in dessen Nähe (Umkreis von 4,3 km).
Obwohl Flughafenmalaria sehr selten sei, gebe es einen zunehmenden Trend, heißt es in dem Bericht. So sei ein Drittel der seit dem Jahr 2000 gemeldeten Fälle zwischen 2018 und 2022 aufgetreten. Für die Zunahme könnten veränderte Insektenbekämpfungsmaßnahmen an Flugzeugen, verbesserte klimatische Bedingungen für die Stechmücken in Europa und eine Zunahme an Direktflügen aus Malaria-Endemiegebieten ursächlich sein. Um das Risiko der Einschleppung von infizierten Mücken zu senken, sollten die Wirksamkeit und Einhaltung der Insektenbekämpfungsmaßnahmen in Flugzeugen untersucht werden, so die Autoren.
Malaria war lange Zeit auch in Europa endemisch. Erst seit den 1950er-Jahren ist Deutschland und seit Mitte der 1970er-Jahre Europa kein Malaria-Endemiegebiet mehr. Durch massive Eradikationsprogramme mit früher Behandlung von Infizierten und dem Einsatz des Insektizids DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) konnten die Krankheit eliminiert und die übertragenden Anophelesmücken stark reduziert werden.
Stechmücken-Arten der Gattung Anopheles gibt es aber immer noch in Europa. So kommen in Deutschland sechs Anopheles-Arten vor, darunter A. plumbeus, A. algeriensis und A. maculipennis. Außerdem sind zwei neue Arten in den vergangenen Jahren hinzugekommen. Seit 2015 hat sich A. petragnani in Süddeutschland etabliert, und A. hyrcanus wurde in Brandenburg mehrfach nachgewiesen.
Einige dieser Spezies können Plasmodien übertragen. Vom RKI heißt es dazu: »Es gibt in Deutschland stellenweise Anopheles-Arten, die unter geeigneten Umweltbedingungen Malaria-Erreger übertragen können.« Hierfür müsse der Erreger zunächst von einem unbehandelten beziehungsweise noch nicht behandelten Menschen im Blut von einer Tropenreise mitgebracht werden.
Etablieren könnte sich Malaria wieder, wenn sich die Malaria übertragenden Mückenpopulationen ausdehnen und die Tiere den Erreger bei Blutmahlzeiten von infizierten Reiserückkehrern aufnehmen und anschließend andere Personen stechen. Wenn sich solche Infektionsketten über einen längeren Zeitraum wiederholten, könnte theoretisch Malaria nach Europa zurückkehren. Für Deutschland sieht das RKI das Risiko als gering an, solange eingeschleppte Malaria-Erkrankungen oder Fälle von Flughafenmalaria rasch erkannt und behandelt würden.
Das Risiko für solche Infektionsketten in Deutschland lässt sich auch senken, wenn Reisende in Malaria-Endemiegebieten sich sorgfältig vor Mückenstichen schützen. Zu den präventiven Maßnahmen zählt die konsequente Anwendung von Repellenzien, das Tragen langärmeliger Kleidung und das Schlafen unter Moskitonetzen.