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Stiller Killer
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Was tun gegen unerkannten Bluthochdruck?

Bluthochdruck ist weit verbreitet und oft unerkannt. Das bestätigt eine neue Studie aus England. Dort sollen Screenings in Apotheken bei der Früherkennung helfen. Dazu müssten die Apothekenteams sie jedoch viel aktiver anbieten.
AutorKontaktCarolin Lang
Datum 06.10.2026  09:00 Uhr

Dauerhaft erhöhter Blutdruck belastet Gefäße und Herz. Er gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auf den weltweit jährlich mehrere Millionen Todesfälle zurückzuführen sind. Obwohl Hypertonie technisch unkompliziert zu diagnostizieren ist, bleibt sie oft unbemerkt. Denn Betroffene erleben zunächst meist keine Beschwerden – nicht umsonst wird Bluthochdruck auch als »stiller Killer« betitelt.

Eine Studie, publiziert in »BMJ Public Health«, legt aktuell das Ausmaß in England dar: Von 1,4 Millionen  Erwachsenen, die in die Untersuchung eingeschlossen waren, hatten etwa 37 Prozent eine Hypertonie, doch mehr als die Hälfte davon (circa 59 Prozent) war sich dessen nicht bewusst. Die Analyse basierte auf Daten der »Our Future Health study«, erhoben zwischen 2022 und 2025.

In allen demografischen Gruppen war die Prävalenz erheblich, doch nahm sie mit steigendem Alter deutlich zu und war bei Männern höher als bei Frauen. So stieg sie von 23 auf 73 Prozent bei Männern und von 10 auf 69 Prozent bei Frauen im Alter von 18 bis 39 Jahren beziehungsweise ab 80 Jahren. Nur bei jedem zweiten diagnostizierten Hypertoniker war der Blutdruck unter Antihypertensiva zudem ausreichend kontrolliert.

Was bewirken Messungen in der Apotheke?

Um dieses Problem zu adressieren und Bluthochdruck früh zu identifizieren, hat der englische Gesundheitsdienst NHS im Jahr 2021 den sogenannten »Hypertension Case-Finding Service« in öffentlichen Apotheken eingeführt. Personen ab 40 Jahren, bei denen bisher kein Bluthochdruck diagnostiziert wurde, können sich in teilnehmenden Apotheken kostenlos den Blutdruck messen lassen. Die Ergebnisse übermitteln die Apotheken dann an die jeweilige Hausarztpraxis.

»Das macht absolut Sinn«, kommentiert Dr. David C. Gaze von der University of Westminster die Maßnahme im Wissenschaftsportal »The Conversation«. Apotheken seien fest in den Gemeinden verankert und Anlaufstelle für Gesundheitsfragen des Alltags. Warum aber löst dieses Angebot nicht das Problem, dass unerkannter Bluthochdruck weit verbreitet ist?

Kostenloses Screening-Angebot noch zu unbekannt

Mit dazu beitragen dürfte, dass viele die Möglichkeit schlicht nicht nutzten, meint der Pathologe mit Verweis auf eine Umfrage des NHS aus dem Jahr 2024. Von rund 2000 Befragten gaben 44 Prozent an, das Screening-Angebot nicht zu kennen. Wiederum 59 Prozent wussten nicht, dass für die Blutdruckmessung in Apotheken kein Termin vereinbart werden muss. Zudem sind sich offenbar viele Menschen der Tragweite einer Hypertonie nicht bewusst: So war 41 Prozent der Teilnehmenden nicht klar, dass unbehandelter Bluthochdruck Herzerkrankungen nach sich ziehen kann.

Eine Rolle spielen könne auch, dass sich das Angebot nur in Ausnahmefällen an Menschen unter 40 Jahren richtet, obwohl auch jüngere Menschen nicht selten von Hypertonie betroffen sind. In der BMJ-Studie traf dies auf rund 15 Prozent der Teilnehmenden zwischen 18 und 39 Jahren zu. Zudem ersetzten Online-Apotheken zunehmend den Gang in die Vor-Ort-Apotheke. 

Nicht auf Nachfrage warten

Was ist also die Lösung? »Die Blutdruckmessung nicht mehr als etwas zu betrachten, das die Menschen aktiv einfordern müssen«, schlägt Gaze vor. Stattdessen könnte sie zu einem festen Bestandteil alltäglicher Begegnungen im Gesundheitswesen werden, etwa beim Einlösen eines Rezepts oder bei einer Impfung. Dies können auch Apothekenteams in Deutschland beherzigen, sei es im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistung bei diagnostizierter Hypertonie oder unabhängig davon. Es gibt zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine Messung des Blutdrucks.

Zudem könne das Screening etwa auf Zahnärzte, Optiker oder sogar Arbeitsplätze ausgeweitet werden, schlägt Gaze vor. »Es sollte zur neuen Norm werden, die Blutdruckmessung zu den Menschen zu bringen, anstatt darauf zu warten, dass sie selbst danach fragen.« Es sollte für Menschen selbstverständlicher werden, ihren Blutdruck zu kennen – auch wenn sie sich vollkommen gesund fühlten. »Vielleicht sollten wir unseren Blutdruck genauso kennen wie unsere Körpergröße oder unser Gewicht.«

»Wir lassen unsere Autos routinemäßig zur Hauptuntersuchung bringen, selbst wenn sie scheinbar einwandfrei laufen. Unser Herz-Kreislauf-System verdient mindestens die gleiche Aufmerksamkeit. Denn wenn es um Bluthochdruck geht, ist das Gefühl, gesund zu sein, keine Garantie dafür, dass unter der Haube alles so gut funktioniert, wie es den Anschein hat«, so Gaze abschließend.

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