»Das Wichtigste ist das Vermeiden von Tun«, so Erbguth. Unmittelbar nach dem Erleiden einer Gehirnerschütterung brauchen Betroffene vor allem eines: Ruhe. Am besten über mehrere Stunden oder Tage und nicht nur wenige Minuten. »Taumelnd wieder aufs Fahrrad zu steigen, ist keine gute Idee«, sagt der Neurologe.
Nach Möglichkeit sollten sich Betroffene in einen abgedunkelten, ruhigen Raum legen und bestenfalls von einer Begleitperson betreut werden. Auch Bildschirmarbeit vermeidet man lieber.
Verliert man erneut das Bewusstsein oder muss sich wiederholt übergeben, ist Vorsicht geboten. »Das wären Warnzeichen, dass im Hirn etwas passiert ist, das über die Gehirnerschütterung hinausgeht«, sagt Erbguth.
Die Schwere von Kopfverletzungen ist für Laien oft nicht zweifelsfrei festzustellen. Aufmerksames Beobachten kann helfen. Halten die Beschwerden an, sollte man rasch den Weg in die Notaufnahme suchen.
»In der Regel kann die Bewusstseinsstörung bis zu etwa 30 Minuten andauern. Bei länger anhaltenden Symptomen sollte sehr schnell ein Bild vom Gehirn gemacht werden«, sagt Erbguth.
Neben anhaltenden Bewusstseinsstörungen, wiederkehrendem Schwindel oder Erbrechen seien auch Symptome wie Lähmungen oder Krampfanfälle deutliche Alarmzeichen. Dann gilt Rickels zufolge: schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen.
Schlägt sich ein Kind den Kopf an, ist das Geschrei groß. Eltern fällt es oft schwer einzuschätzen, wie schlimm die Verletzung ist. Hinzu kommt, dass Kinder meist keine präzisen Auskünfte zu ihren Beschwerden geben können. Beim Nachwuchs gilt also: »Der Schwelle zur Notaufnahme ist hier deutlich niedriger«, sagt Erbguth.
Zur schnellen Ersteinschätzung haben Experten des LMU Klinikums München und der ZNS-Stiftung - Hilfe für Menschen mit Schädelhirntrauma für solche Situationen den sogenannten KEKS-Test entwickelt:
Tritt eines oder gleich mehrere der Symptome nach einer Kopfverletzung auf, spricht das für eine Gehirnerschütterung. Dann gilt: zeitnah von Arzt oder Ärztin abklären lassen.
Ähnlich sieht es bei alten Menschen aus. Bei ihnen spielt noch ein weiterer Faktor eine Rolle. Zwar heilt ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma auch in dieser Altersgruppe meist folgenlos aus. Doch weil das Gehirn im Alter etwas schrumpft und der Spalt zwischen Gehirn und Schädelwand größer wird, bergen Kopfverletzungen weitere Risiken.
Kommt es etwa zu Blutungen in diesem Bereich, kann es deutlich länger aus bei Jüngeren dauern, bis Symptome auftreten - das sollte man wissen. Sie können von Lähmungen über Sprachstörungen bis hin zu Verlangsamungen reichen. »Es kann passieren, dass die Symptome dann mit denen eines Schlaganfalls verwechselt werden«, sagt Rickels.