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Schweres Covid-19
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Warum Dexamethason nicht allen Patienten hilft

Bei einem schweren Verlauf von Covid-19 zählt das Glucocorticoid Dexamethason zu den Standardtherapeutika. Doch nicht alle Patienten sprechen darauf an. Forschende aus Berlin haben nun herausgefunden, warum das so ist.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 05.07.2024  14:30 Uhr

Menschen, bei denen Covid-19 einen schweren Verlauf nimmt, reagieren oft mit einer überschießenden Immunantwort auf die Virusinfektion. Um diese abzumildern, wurde bereits früh im Pandemieverlauf Dexamethason getestet – mit Erfolg. Mittlerweile ist das Glucocorticoid in dieser Indikation zugelassen und zählt zu den Standardtherapeutika bei schwerem Covid-19. Nicht in jedem Fall konnte und kann die Gabe von Dexamethason jedoch eine Verschlechterung des Zustands des Patienten verhindern.

Im Fachjournal »Cell« berichten nun Forschende des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der Charité Berlin über Ergebnisse von Einzelzell-Sequenzierungen, mit denen sie nach den Ursachen hierfür gesucht haben. »Unsere Daten zeigen, dass die lebensrettende Wirkung von Dexamethason mit der Reaktion von Monozyten in Verbindung steht«, erklärt Dr. Anna Aschenbrenner vom DZNE in einer Pressemitteilung.

Bereits 2020 hatte die Gruppe zeigen können, dass die Monozyten bei schwer an Covid-19 erkrankten Patienten eine veränderte Signatur aufweisen. Mit der aktuellen Untersuchung wies sie nun nach, dass das Ansprechen auf Dexamethason davon abhängt, ob diese Veränderung durch das Glucocorticoid wieder rückgängig gemacht werden kann oder nicht. Warum dies bei manchen Patienten gelang, bei anderen aber nicht, konnte die Studie nicht klären.

»Die Reaktion der Monozyten geht der Verbesserung des Gesundheitszustands um einige Tage voraus«, sagt Florian Kurth von der Charité. »Wenn die Immunzellen frühzeitig auf Dexamethason reagieren, kann man also davon ausgehen, dass die Behandlung anschlagen wird. Wenn sie es nicht tun, die Therapie also keine Wirkung zeigen wird, können wir zusätzliche Arzneimittel einsetzen, um den Betroffenen zu helfen.« Da der Nachweis der Reaktion der Monozyten auf die Behandlung sehr aufwendig ist, wäre eine solche klinische Anwendung aber noch Zukunftsmusik.

Zu Forschungszwecken könnte die Einzelzell-Sequenzierung zur Messung des Ansprechens auf eine Arzneimitteltherapie laut Kurth jedoch auch bei anderen Erkrankungen infrage kommen. »Abhängig von der spezifischen Erkrankung und der Therapie werden unterschiedliche Zellen als Indikatoren dienen können. Sobald sie mithilfe der Einzelzell-Sequenzierung identifiziert sind, werden auch bereits etablierte, einfachere Labormethoden ausreichen, um die aussagekräftigen Zell-Veränderungen festzustellen.«

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