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Lebensbedrohlicher Notfall
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Warnzeichen für eine Sepsis erkennen

Alle sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Die Dunkelziffer ist hoch. Mit 75.000 erfassten Todesfällen jährlich ist es dennoch die dritthäufigste Todesursache. Besonders fatal: Bis zu 20.000 Todesfälle gelten als vermeidbar. Entscheidend ist die frühe Erkennung typischer Warnzeichen und die sofortige Einweisung in eine Notambulanz.
AutorKontaktChristiane Berg
Datum 17.02.2021  16:00 Uhr

Warnzeichen kennen

Symptome, die auf eine Blutvergiftung hindeuten, sind Fieber, Schüttelfrost, Verwirrtheit oder Desorientiertheit, Wesensveränderungen, ein schneller Puls und Herzrasen, Kurzatmigkeit und Hyperventilation mit 22 oder mehr Atemzügen pro Minute sowie eine feuchte Haut, Schwitzen, Schwäche, Schmerzen, starkes Unwohlsein und ein extremes Krankheitsgefühl nach Wunden oder Infektionen, heißt es auf der Kampagnen-Homepage.

Liegen mindestens zwei der Symptome vor, sollte immer der Notarzt gerufen werden, so dass umgehende Kontrolluntersuchungen der Blut- und Laborwerte sowie gegebenenfalls eine Antibiotika- und/oder Sauerstoffgabe sowie kreislauf- und gerinnungstherapeutische Maßnahmen beziehungsweise – wenn angezeigt – auch chirurgische Interventionen eingeleitet werden können.

Häufige Langzeitfolgen

Nach einer überstandenen Blutvergiftung leiden 75 Prozent der Sepsis-Überlebenden an Langzeitfolgen, die sich in einer Minderung der geistigen und körperlichen Belastbarkeit, verringertem Reaktions- und Erinnerungsvermögen, Aufmerksamkeitsproblemen, Seh- und Sprachstörungen, Gleichgewichtsproblemen und Schwindel, Polyneuropathie oder auch Schlafstörungen und Depressionen äußern können. »Die Konsequenzen einer nicht früh- und rechtzeitig erkannten Sepsis sind für die Patienten oftmals verheerend und müssten nicht sein. Ganz abgesehen davon, dass zu vielen Menschen das Geschenk des Überlebens gar nicht zuteilwird. Allein die Spätfolgen einer Sepsis können sehr schwerwiegend sein. Umso wichtiger ist es, dass jedermann weiß, was er im Notfall zu tun hat. Jede Minute zählt«, so Arne Trumann als stellvertretender Vorsitzender der Sepsis-Hilfe und selbst Sepsis-Betroffener.

Auch Professor Konrad Reinhart, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sepsis Stiftung als Verbund von Ärzten, Wissenschaftlern, Kliniken und Universitäten, die Grundlagenforschung und klinische Studien rund um das Thema Sepsis betreiben, warnt, die beschriebenen Symptome nach Infektionen oder Verwundungen auf die leichte Schulter zu nehmen. »Ob Verletzungen, Grippe, Pneumokokken oder nun auch Covid-19: Fast jeder Infektionserreger kann zur Sepsis führen. Durch entsprechende Prävention auch in Form von Impfungen sowie Händehygiene- und Desinfektionsmaßnahmen in Kombination mit Früherkennung und Behandlung der Sepsis als Notfall können viele Menschenleben gerettet und großes persönliches Leid gemindert werden«, hebt er eindringlich hervor.

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