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Glucocorticoide
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Wann wie absetzen und wann beibehalten? 

Glucocorticoide können bei manchen Krankheiten lebensrettend sein. Viele Patienten fürchten sich vor langfristigen Nebenwirkungen, obwohl diese unterhalb der Cushing-Schwelle kaum zu erwarten sind. Wann müssen Corticoide ausgeschlichen werden und was ist dabei zu beachten?
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 17.06.2021  16:32 Uhr

Schrittweise abdosieren und ausschleichen

Ab einem Äquivalent von 30 mg Hydrocortison täglich können exogen zugeführte Glucocorticoide die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) supprimieren und damit eine Nebennierenrinden-Insuffizienz auslösen. »Eine suppressive Glucocorticoid-Therapie darf nicht abrupt abgesetzt, sondern muss langsam ausgeschlichen werden, wenn sie länger als zwei Wochen bestand«, betonte der Arzt.

Dazu wird die Tagesdosis relativ zügig abgesenkt bis zur Cushing-Schwelle und eventuell auf eine Äquivalenzdosis des kurz wirksamen Hydrocortisons gewechselt. Dann wird die Dosis langsam weiter reduziert, wobei man sich an den morgendlichen Cortisol-Spiegeln und/oder dem Ergebnis von Stimulationstests orientiert. Leistungsverlust, Müdigkeit, Schwäche oder Hypoglykämie können auf einen Hormonmangel hinweisen. Patienten müssen wissen, dass in besonderen Stresssituationen wie Fieber, Infektionen oder bei Operationen deutlich höhere Glucocorticoid-Dosis erforderlich sind. Dies gilt solange, bis sich die Funktion der HPA-Achse wieder normalisiert hat.

Nebenniereninsuffizienz: Corticoide nie absetzen

Von einer Pharmakotherapie zu unterscheiden ist eine Hormonsubstitution bei Patienten mit Nebenniereninsuffizienz, zum Beispiel Morbus Addison. In der Folge wird zu wenig körpereigenes Cortisol ausgeschüttet. Bei irreversiblen Formen der Nebenniereninsuffizienz müssen die Patienten lebenslang Cortisol einnehmen, am besten Hydrocortison oral zwei bis drei Mal täglich. Die langfristige Substitution darf nie unterbrochen werden.

Eine unzureichende Substitution, vor allem in Situationen mit erhöhtem Bedarf (Fieber, schwere Erkrankungen, Eingriffe, starker Stress) oder bei gestörter Resorption (Erbrechen, Diarrhö) kann in eine akute lebensbedrohliche Nebennierenkrise führen. Die DGE weist speziell darauf hin, dass auch eine Covid-19-Erkrankung zu einer bedrohlichen Nebennierenkrise führen kann, wenn die Hydrocortison-Dosis nicht rechtzeitig und ausreichend erhöht wird. 

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