| Johanna Hauser |
| 29.01.2026 08:00 Uhr |
Wird eine Anämie rechtzeitig vor einem chirurgischen Eingriff diagnostiziert und behandelt, sinken die Risiken für postoperative Komplikationen deutlich. / © Adobe Stock/motortion
Unterziehen sich anämische Patienten einer Operation, kann dies die postoperative Mortalität und Morbidität signifikant erhöhen. Dies zeigen Daten, die im Dezember 2025 in The Lancet Global Health veröffentlicht wurden. Ein Team um Dr. Suma Choorapoikayil wertete dazu in einer internationalen prospektiven Kohortenstudie Daten von Patienten aus 20 Ländern aus. Eingeschlossen waren 2702 Erwachsene, davon 1279 Frauen und 1417 Männer. Die Teilnehmer unterzogen sich zwischen 2019 und 2022 einem größeren Eingriff, der eine stationäre postoperative Behandlung von mindestens 24 Stunden bedingte.
Eine Anämie liegt vor, wenn der Hämoglobinwert bei Frauen unter 120 g/l und bei Männern unter 130 g/l liegt. Diese beruht nicht nur auf einen Eisenmangel; auch ein Mangel von Vitamin B12 oder Folsäure ruft anämische Zustände hervor.
Die Forschungsgruppe stellte fest, dass bei knapp einem Drittel der Patienten vor dem chirurgischen Eingriff eine Anämie vorlag. Häufigster Grund – unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft – war ein Eisenmangel (bei 55 Prozent der Betroffenen). 113 Teilnehmer (14,5 Prozent) wiesen einen Folatmangel (< 4 µg/l) und 60 (7,7 Prozent) einen Vitamin-B12-Mangel (< 200 ng/l) auf. Eine chronische Nierenerkrankung oder ganz andere Ursachen waren bei 68 und 48 Patienten der Grund für die Anämie.
Bei Patienten mit einem Hämoglobinwert unter 130 g/l war die Zahl der Komplikationen signifikant erhöht. Dazu zählten unter anderem Infektionen, Wundinfektionen, thromboembolische Ereignisse und eine Wiederaufnahme ins Krankenhaus nach Entlassung. Außerdem hatten Patienten mit Anämie ein fünffach höheres Sterberisiko im Vergleich zu Patienten ohne Anämie.
Eine Transfusion roter Blutkörperchen stellte jedoch nicht den Königsweg zur Beseitigung des Komplikationsrisikos dar. Diese bewirkt zwar einen vorübergehenden Anstieg des Hämoglobins, beseitigt aber nicht die Ursache wie Eisen- und Nährstoffmängel.
Die Daten unterstreichen die ungünstige Auswirkung einer Anämie auf die chirurgischen Ergebnisse, resümieren die Forscher. Allerdings könne man dieser unkompliziert vorbeugen, sofern Diagnose und Behandlung rechtzeitig vor einem geplanten Eingriff erfolgen.
Die Gruppe regt an, künftig ein Multi-Medikamenten-Behandlungspaket aus Erythropoietin, intravenösem Eisen, Vitamin B12 und Folsäure bei Patienten mit Anämie oder Eisenmangel in Betracht zu ziehen. In Anbetracht der Dauer der eisenabhängigen Reifung von Erythroblasten zu differenzierten Erythrozyten von bis zu sechs Tagen sollten die Maßnahmen mindestens sieben, besser 21 bis 28 Tage vor der Operation begonnen werden.