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Gesundheitskommunikation
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Vertrauen schlägt Impfskepsis

Nicht jeder Impfskeptiker tickt gleich. Viele lassen sich sogar umstimmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Studie. Voraussetzung: Die Impf-Informationen sind verständlich und transparent aufbereitet und jeder hat Zugang. Mit dem Vertrauen steigt auch schnell die Bereitschaft.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 13.01.2026  18:00 Uhr

Die anfängliche Skepsis gegenüber der Covid-19 Impfung ist im Laufe der Impfkampagne stark zurückgegangen. Forschende um Dr. Matthew Whitaker von der School of Public Health in London berichten im Fachjournal »The Lancet«, dass sich viele Menschen, die anfangs zögerten, später doch noch für eine Impfung entschieden. Grundlage der Untersuchung sind die Angaben von mehr als 1,1 Millionen Erwachsenen im Rahmen der sogenannten »React«-Studien.

Zu Beginn der Impfkampagne im Januar 2021 äußerten laut Studie rund 8 Prozent der Befragten noch Zweifel an einer Impfung. Ein Jahr später waren es nur noch gut 1 Prozent. Während der Omikron-Welle stieg die Impfskepsis zwar kurzzeitig leicht an, erreichte jedoch nicht mehr das frühere Niveau.

Als Gründe für das anfängliche Zögern nannten die Befragten die Sorge vor möglichen Nebenwirkungen sowie Zweifel an der Wirksamkeit der Impfstoffe. Viele Menschen mit solchen Bedenken ließen sich später dennoch impfen.

Wer sich nicht umstimmen lässt

Deutlich anders verhielt es sich bei Personen, die Impfungen grundsätzlich misstrauten. Wer also Impfstoffe generell ablehnte, den Herstellern nicht vertraute oder generell Covid-19 als geringes Risiko einschätzte, blieb den Ergebnissen zufolge deutlich häufiger ungeimpft.

Die Analyse hat außerdem ergeben, dass die Gründe für die Skepsis zwischen Bevölkerungsgruppen variiert. So gaben Männer häufiger an, sich selbst nicht gefährdet zu fühlen. Frauen sorgten sich dagegen eher um mögliche Auswirkungen auf Schwangerschaft oder Fruchtbarkeit. Ältere Menschen äußerten vergleichsweise oft eine generelle Ablehnung. Unter den Ungeimpften fanden sich überdurchschnittlich häufig Ältere, Frauen, Menschen nicht weißer Ethnien, Arbeitslose, Personen aus sozial benachteiligten Regionen sowie Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau.

Vertrauen ist zentral

Vertrauen in staatliche Institutionen, Wissenschaft und Gesundheitswesen ist ein zentraler Faktor für die Impfbereitschaft, während Misstrauen und Sicherheitsbedenken Skepsis verstärken. Das betonte Dr. Katharina T. Paul vom Institut für Politikwissenschaft und Leiterin des Projekts KNOW-VACC der Universität Wien, in ihrer Einschätzung der Studie gegenüber dem »Science Media Center Germany«.

Ihrer Ansicht nach muss Kommunikation zudem zielgruppenspezifisch gestaltet sein, etwa für ältere Menschen, die laut Studie besonders zögerlich waren. Zudem gelte es, Desinformation entgegenzuwirken und besonders für vulnerable Gruppen zusätzliche Ressourcen bereitzustellen. Mangelnder Zugang und Misstrauen in Institutionen untergraben in ihren Augen die Impfbereitschaft deutlich.

Wissenschaftliche Erkenntnisse klar vermitteln

In seiner Beurteilung stellt Professor Dr. Klaus Überla, Direktor des Harald-zur-Hausen-Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Erlangen, noch einen weiteren Aspekt heraus: Viele anfänglich skeptische Menschen änderten ihre Meinung, wenn sie neue, verlässliche Informationen erhielten. Seiner Auffassung nach ist das ein Hinweis auf die Bedeutung guter Kommunikation. 

Für zukünftige Kampagnen plädiert er daher für klarere, präzisere Kommunikation, die wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich vermittelt und damit Vertrauen stärkt. Fehler in der öffentlichen Darstellung, was die Wirksamkeit und Sicherheit der Corona‑Impfstoffe anging, habe die Debatte seinerzeit unnötig polarisiert und Vertrauen gekostet, resümiert er.

Impfkommunikation ohne moralischen Druck

In diesem Zusammenhang weist Dr. Sarah Eitze, Mitglied am Institute for Planetary Health Behaviour (IPB) der Universität Erfurt, darauf hin, dass Impfkommunikation ohne moralischen Druck geschehen sollte. Als besonders wirksam habe sich ein transparenter, kontinuierlicher und evidenzbasierter Ansatz erwiesen, um Informationslücken zu schließen, betonte sie. »Wissenschaft sollte verständlich erklären, was man weiß – und auch, was man noch nicht weiß.«

Die Studie macht laut Eitze ebenfalls deutlich, dass nicht jede Form von Impfskepsis gleich funktioniert. Während sich Informationsunsicherheit oft gut adressieren lasse, seien tief verankerte Ablehnungshaltungen schwerer zu erreichen, gibt sie zu bedenken. Als eine Lösung sieht sie beispielsweise Co-kreative Ansätze, also Formate, in denen Betroffene selbst an der Gestaltung von Botschaften beteiligt sind. In ihren Augen könne dies helfen, Barrieren ab- und Vertrauen aufzubauen.

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