| Johanna Hauser |
| 06.04.2026 10:00 Uhr |
Die Verordnungszahlen hormoneller Kontrazeptiva in Deutschland sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, auch wenn es regionale Unterschiede gibt. / © Adobe Stock/Natee Meepian
Seit Jahrzehnten kommen hormonelle Verhütungsmittel, die sowohl eine Estrogen- als auch eine Gestagenkomponente (Kombipräparate) erhalten, im Einsatz. Die verschiedenen Präparate unterscheiden sich in ihrem Risiko für venöse Thromboembolien (VTE), was vor allem auf die unterschiedlichen Gestagenkomponenten zurückzuführen ist. 2014 gab es einen Rote-Hand-Brief, der insgesamt ein geringes VTE-Risiko der kombinierten hormonellen Kontrazeptiva bestätigte und zugleich drei Wirkstoffe als Gestagene mit dem geringsten Risiko identifizierte.
Die Einteilung des Risikos erfolgt in sogenannte VTE-Risikoklassen:
Im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit von Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) wurden nun Daten einer neuen Untersuchung veröffentlicht. Auslöser war ein Rote-Hand-Brief des BfArM aus dem Jahr 2021, in dem daran erinnert wurde, bevorzugt Präparate mit dem niedrigsten bekannten VTE-Risiko zu verordnen. Forschende des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen und der PMV Forschungsgruppe der Universität Köln sollten untersuchen, ob die entsprechenden Warnungen etwas bewirkt haben.
Der Fokus der Auswertung lag auf Mädchen und jungen Frauen, bei denen sich die Verordnung hormonaler Kontrazeptiva wegen der Erstattungsfähigkeit anhand von Krankenkassendaten abbilden lässt.
Im Untersuchungszeitraum (2013 bis 2022) nahm das Verordnungsvolumen hormoneller Kontrazeptiva insgesamt deutlich ab: von 217 täglichen Dosen pro 1000 Mädchen/Frauen im Jahr 2013 auf 141 im Jahr 2022, wobei dieser Trend in den Jahren 2021 und 2022 besonders ausgeprägt gewesen sei.
Der Anteil des Verordnungsvolumens der risikoreichsten Klasse-III-Präparaten sank von 46 Prozent auf 35 Prozent. Hier war stärkste Rückgang mit einer Abnahme von 5 Prozent in den Jahren 2015/2016 zu verzeichnen, also unmittelbar nach dem ersten Rote-Handbrief im Jahr 2014. Dazu könnte aber vor allem die große mediale Aufmerksamkeit infolge des im Oktober 2015 veröffentlichten »Pillenreports« der Techniker Krankenkasse beigetragen haben, schreiben die Autoren.
Die Klasse-I-Präparate hingegen wiesen eine ansteigende Zahl an Verordnungen auf, von ungefähr 33 Prozent auf unter 47 Prozent. Der auffälligste Anstieg entfiel mit einem Plus von 7 Prozent ebenfalls auf die Jahre 2015/2016. Die Verordnungszahlen der Klasse-II-Präparate, in die nur der Vaginalring und das Pflaster fallen, stiegen leicht von 2 Prozent auf ein weiterhin niedriges Niveau von 6 Prozent.
Eine Zunahme zeigten auch die hormonellen Kontrazeptiva, deren Risiko noch nicht abschließend geklärt ist (Risikoklasse X/U). Hier fiel der Anteil zuerst von 2013 bis 2020 von 19 auf 11 Prozent. Nach der Einführung einer neuen Wirkstoffkombination (Drospirenon/Estetrol) im Jahre 2021 stiegen die Zahlen in dieser Klasse wieder auf 13 Prozent an.