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Antibiotika-Resistenzen
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»Unser Zeitfenster schrumpft«

Die Zahl der Toten durch multiresistente Keime wird sich in den kommenden Jahren stark erhöhen. Forschende erklären, was bis 2030 passieren müsse, um jedes Jahr 750.000 unnötige Todesfälle zu verhindern.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 24.05.2024  09:26 Uhr

Bessere Hygiene und mehr Impfungen

Viele Maßnahmen betreffen vor allem Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen und verbesserungswürdigen sanitären und hygienischen Umständen. Die Modellrechnung geht von folgenden Maßnahmen aus, die vor allem Infektionen verhindern sollen:

  • Die Verbesserung der Infektionsprävention und -kontrolle in Gesundheitseinrichtungen, einschließlich besserer Handhygiene und regelmäßigerer Reinigung und Sterilisation von Geräten, könnte jährlich bis zu 337.000 Menschenleben retten.
  • Ein allgemeiner Zugang zu sauberem Trinkwasser und wirksamen sanitären Einrichtungen in den Gemeinden könnte jährlich etwa 247.800 Todesfälle verhindern.
  • Die Ausweitung der Einführung einiger pädiatrischer Impfungen wie der Pneumokokken-Impfstoffe, die vor Lungen- und Hirnhautentzündung schützen, und die Einführung neuer Impfstoffe wie der RSV-Impfstoffe für schwangere Mütter könnten 181.500 Menschenleben pro Jahr retten.

»Wenn wir uns auf die Verbesserung der Methoden zur Infektionskontrolle, der Wasser- und Sanitärversorgung und der Impfungen in den Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen konzentrieren, sollte es möglich sein, die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit AMR bis 2030 um 10 Prozent zu senken«, fasst Koautor Yewande Alimi von der afrikanischen CDC zusammen.

10-20-30-Reduktion bis 2030

Doch auch die hoch entwickelten Staaten haben noch einige Hausaufgaben zu machen. Zum einen muss der Zugang zu einer angemessenen Behandlung mit den passenden Antibiotika möglich sein – sowohl für die Industriestaaten, die selbst mit Lieferengpässen zu kämpfen haben, aber erst recht für ärmere Länder. Hier geht es auch um gerechte Verteilung.

Zum anderen müssen die verfügbaren Antibiotika mit Bedacht eingesetzt werden. Das internationale Autorenteam schlägt konkrete Ziele bis 2030 vor, die im September 2024 von UN-Vollversammlung beschlossen werden sollten:

  • Verringerung der Sterblichkeit durch Antibiotikaresistenzen um 10 Prozent durch verstärkte Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens, um Infektionen von vornherein zu verhindern, wodurch sowohl der Antibiotikaverbrauch als auch die Antibiotikaresistenz verringert und ein breiterer Zugang ermöglicht werden.
  • Verringerung des unangemessenen Antibiotikaeinsatzes beim Menschen um 20 Prozent durch Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika bei leichten Atemwegsinfektionen, die im Allgemeinen keine Antibiotika erfordern.
  • Reduzierung des unangemessenen Antibiotikaeinsatzes bei Tieren um 30 Prozent durch schrittweise Maßnahmen in vielen Sektoren. Beispiele für Maßnahmen könnten sein:
    o Kein Einsatz medizinisch wichtiger antimikrobieller Mittel zur Wachstumsförderung bei Tieren.
    o Verzicht auf den Einsatz von Antibiotika der höchsten Priorität, die für die präventive Behandlung von Tieren von entscheidender Bedeutung sind.
    o Verabreichung aller Antibiotika unter der Anleitung eines Tierarztes.

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