| Christina Hohmann-Jeddi |
| 03.07.2026 15:00 Uhr |
Der bispezifische Antikörper Teclistamab bringt T-Zellen und Plasmazellen zusammen und sorgt so für die Zerstörung der Plasmazellen. / © Science Photo Library/Tom Leach
Immunthrombozytopenie (ITP) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper gegen Blutplättchen (Thrombozyten) bildet und diese zerstört. Aufgrund des Thrombozytenmangels haben Patienten ein stark erhöhtes Blutungsrisiko. Therapiert wird mit Corticosteroiden, je nach Schweregrad auch mit Immunglobulinen, die den Abbau der Thrombozyten stoppen, mit Rituximab oder mit Thrombozytenkonzentraten. In schweren Fällen schlagen die herkömmlichen Therapien häufig aber nicht mehr an.
Für diese Patienten haben Forschende der Berliner Charité und der Universitätsmedizin Greifswald eine neue Therapieoption getestet: den bispezifischen Antikörper Teclistamab. Dieser ist seit 2023 zur Behandlung von Patienten mit multiplem Myelom zugelassen. Der bispezifische Antikörper hat zwei Bindungsstellen – zum einen bindet er an das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) und zum anderen an ein Oberflächenmolekül von T-Zellen. Dadurch bringt er beide Zellen zusammen und sorgt so für die Zerstörung der fehlerhaften B-Zellen, die die Autoantikörper bilden.
Das Team um Dr. Michael Korenkov von der Charité setzte Teclistamab bei drei schwer betroffenen Patienten ein. Das Blutbild normalisierte sich durch diese Immuntherapie innerhalb weniger Tag vollständig, berichten die Foschenden im Fachjournal »Blood Immunology & Cellular Therapy«.
»Der Erfolg dieser zeitlich begrenzten Therapie war bei allen drei intensiv vorbehandelten Patientinnen und Patienten eindrucksvoll«, sagt Dr. Marie Luise Hütter-Krönke, Initiatorin und Studienleiterin an der Charité, in einer Pressemitteilung. »Die Anzahl der Blutplättchen normalisierte sich extrem schnell innerhalb von jeweils 4, 9 und 23 Tagen nach Behandlungsbeginn. Auch die akuten Blutungssymptome verschwanden umgehend.« In der Konsequenz wurde die bisherige Therapie, darunter auch die Corticosteroidbehandlung, schrittweise reduziert und eingestellt.
»Aktuell sind die drei Patientinnen und Patienten jeweils seit 9, 8 und 5 Monaten stabil und leben medikamentenfrei. Geringfügige Nebenwirkungen wie vorübergehendes leichtes Fieber oder ein zeitweiser Rückgang bestimmter Immunzellen waren gut kontrollierbar«, sagt Professor Dr. Jan Krönke von der Unimedizin Greifswald. Die Therapie sei gut verträglich. »Bei einer Patientin, die zusätzlich an einer autoimmunen Blutarmut litt, dem sogenannten Evans-Syndrom, normalisierte sich auch die Zahl der roten Blutkörperchen.«
Trotz der langen Remissionsphase könne von einer Heilung noch nicht gesprochen werden, dazu müssten die Blutwerte in weiteren Kontrollen stabil bleiben. Der Mitteilung zufolge werden weitere klinische Studien folgen, um zu zeigen, wie sicher die Therapie auf Dauer ist und ob sie auch bei größeren Gruppen von Patienten oder auch bei anderen Autoimmunerkrankungen wirksam ist.