| Laura Rudolph |
| 20.02.2026 16:20 Uhr |
Als primären Endpunkt definierten die Forschenden einen kombinierten Parameter aus schwerwiegenden Nebenwirkungen, Therapieabbruch, ungeplanter Hospitalisierung und Tod. Sekundäre Endpunkte umfassten Patient-Reported Outcomes wie Symptomlast, Zufriedenheit, Adhärenz und Lebensqualität sowie Therapiedauer und OAT-bezogene Medikationsfehler.
Die Teilnehmenden nahmen im Mittel neun Arzneimittel ein (Spanne: 1 bis 42). Insgesamt kamen 70 verschiedene OAT oder Kombinationen mit Zulassung ab 2001 zum Einsatz – häufig Capecitabin (Xeloda® und Generika) und Ribociclib (Kisqali®), aber auch neuere Wirkstoffe wie Pirtobrutinib (Jaypirca®) oder Capivasertib (Truqap®).
Das zentrale Ergebnis: »Wir haben den primären Endpunkt nicht erreicht. Die Idee wäre gewesen, dass wir in der Interventionsgruppe den kombinierten Endpunkt weniger häufig eintreten sehen. Es gibt statistisch aber leider keinen Unterschied.« In der binären Auswertung traten die Ereignisse in beiden Gruppen nahezu gleich häufig auf (51 versus 50 Prozent). Auch bei den sekundären Endpunkten fanden sich keine signifikanten Unterschiede.
Warum blieb der erwartete Effekt aus? Dörje nannte mehrere Gründe. Der wohl wichtigste: »Wir hatten keine wirkliche Nullkontrolle bei SafetyFIRST.« Denn auch in der Kontrollgruppe kam es zu Interventionen – sowohl, weil pDL in Anspruch genommen werden durften, als auch, weil das Studienteam bei drohenden schwerwiegenden Folgen durch Medikationsfehler einschritt.
Hinzu kommt, dass einige Standorte ein interprofessionelles Medikationsmanagement erst mit Studienbeginn eingeführt hatten. »Bis man die nötige Flughöhe erreicht, braucht es Zeit«, betonte Dörje. Für diese »naiven« Standorte sei die Fallzahl vermutlich zu gering gewesen, um die gewünschte Qualität schnell aufzubauen. Subanalysen deuten darauf hin, dass Standorte mit bereits etablierten Strukturen tendenziell besser performten.
Trotz des verfehlten primären Endpunkts sieht Dörje die Studie nicht als Misserfolg: »Es ist kein Scheitern unserer Gesamtinterventionsbemühungen.«
Eine positive Bilanz zog Julia Schwanfelder, klinische Pharmakologin der Universität Erlangen‑Nürnberg, beim Blick auf die Medikationsfehler. In der Interventionsgruppe wurden nicht nur mehr Fehler entdeckt (247 versus 169), sondern auch anteilig mehr gelöst (75 versus 40 Prozent). »Das zeigt die Motivation und die Leistung, die die Standorte im Rahmen der Studie erbracht haben«, so Schwanfelder. Eine detaillierte statistische Auswertung stehe allerdings noch aus.