| Brigitte M. Gensthaler |
| 03.08.2026 08:00 Uhr |
Hurra, wir haben es geschafft! Bei der Akademischen Abschlussfeier jubelten die Absolventinnen und Absolventen der Pharmazie-Studiengänge an der LMU. / © Andreas Schebesta
Bei der Feier am 24. Juli im Audimax des Biomedizinischen Centrums in München-Martinsried wurden 66 Staatsexamensstudierende, 14 Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen sowie eine Master-Absolventin der Pharmazie persönlich verabschiedet. Anregend musikalisch umrahmt wurde die Feier von Apotheker Michael Gerstner sowie Pharmaziestudent Quirin Weitl.
»Es ist immer wieder zauberhaft, in die glücklichen Gesichter der Absolventinnen und Absolventen zu schauen«, begrüßte Professor Dr. Robert Fürst, Direktor des Departments für Pharmazie, die jungen Menschen mit ihren Familien und Freunden sowie zahlreiche Ehrengäste. Insgesamt seien es 83 Staatsexamens-, 18 Bachelor- und sechs Master-Studierende, von denen einige bereits im Beruf stünden oder im Ausland seien und nicht anwesend seien.
»Dieses Studium zu absolvieren, ist eine Leistung. Sie haben es geschafft«, lobte Dekan Professor Dr. Oliver Trapp. Das Department für Pharmazie gehöre zu den forschungsstärksten Fakultäten seiner Art in Deutschland. Diese Forschungsstärke sei aber »keine Zierde, sondern der Kern der Ausbildung«.
Die Pharmaziestudierenden könnten nicht nur Fachwissen, sondern auch eine Haltung mitnehmen. Das hält Trapp für sehr wichtig in diesem Beruf. »Die Menschen bringen Ihnen sehr viel Vertrauen entgegen. Das ist eine Verpflichtung.« Die Absolventen sollten sich zudem Raum dafür nehmen, das Berufsbild mitzugestalten. »Zeiten des Umbruchs werden gestaltet von gut ausgebildeten Menschen.«
Für die Bayerische Landesapothekerkammer und in Vertretung von Präsidentin Franziska Scharpf gratulierte Geschäftsführerin Kathrin Koller zum erfolgreichen Studienabschluss. Sie würdigte das Durchhaltevermögen und die zielorientierte Arbeit der Studierenden. »Darauf dürfen Sie zu Recht stolz sein! Genießen Sie diesen Tag!«
Der Beruf befinde sich in einer sehr spannenden Zeit, doch unverändert sei, dass Menschen kompetente und vertrauenswürdige Fachleute brauchten. Sie sei zuversichtlich, dass der Berufsnachwuchs die Zukunft der Pharmazie mit Wissen, Neugier und Engagement mitgestalten und prägen werde. Koller rief die jungen Leute auf: »Übernehmen Sie Verantwortung und bringen Sie neue Ideen ein. Fortschritt entsteht dort, wo Menschen den Mut haben, Dinge weiterzudenken.«
In guter Tradition wurden bei der Abschlussfeier mehrere Preise für besondere Studienleistungen vergeben, so der Herbert-Marcinek-Preis für herausragende Leistungen im ersten Studienabschnitt. Diesen stiftet die Familie Marcinek und erinnert damit an ihren kurz vor Abschluss seiner Dissertation tödlich verunglückten Sohn Herbert. Fürst verlieh ihn an Sophie Marlena Jäger, Stefanie Kamml und Tobias Suarez Kandler.
Den Lesmüller-Preis für herausragende Absolventen des Staatsexamensstudiengangs überreichte Kathrin Koller an Anna Selma Felicitas Wirth, die ihr zweites Staatsexamen mit der Note 1,0 abgeschlossen hat. Die Lesmüller-Stiftung fördere mit dem Preis junge Talente und zeichne exzellente Studienleistungen aus, sagte Koller. Zudem würdigte sie die besondere Ausdauer und den Einsatz der Studierenden.
Den Daiichi Sankyo Master-Preis für den besten Masterabschluss in Pharmaceutical Science überreichte Dr. Klaus Zwiorek, Daiichi Sankyo Europe GmbH, an Niklas Junker.
Zudem wurden herausragende Promotionsarbeiten des Departments gewürdigt. Dr. Martin Bultmann von AbbVie Deutschland gratulierte allen Absolventen zu den erbrachten Leistungen. Mit dem Examen hätten die Absolventen einen Meilenstein erreicht, aber es gebe noch sehr viel Forschungsbedarf. »Wir brauchen Sie in allen Bereichen der Pharmazie.« Bultmann überreichte die Preise für die besten Doktorarbeiten des Jahres an Dr. Manuel Loos, Dr. Mina Yazdi und Dr. Felix Sieber-Schäfer (für ihn nahm Professorin Olivia Merkel den Preis entgegen).
Im Festvortrag gab Privatdozent Dr. Carsten Rudolph, Mitbegründer und Chief Executive Officer (CEO) des Biotechnologieunternehmens Ethris in Planegg einen Einblick in die Weiterentwicklung der mRNA-Technologie. Diese hatte in der Coronapandemie die rasche Bereitstellung passgenauer mRNA-Impfstoffe ermöglicht.
»Die mRNA-Impfstoffe der ersten Generation haben die Prävention von Infektionskrankheiten grundlegend verändert, aber sie sind nur ein erster Schritt«, sagte Rudolph. Sein Unternehmen arbeite an einer neuen Generation von mRNA-Impfstoffen und -Arzneimitteln: einer mRNA 2.0. Es sei ein breites Einsatzgebiet für mRNA denkbar, zum Beispiel die Bildung von Antikörpern, Enzym- und Proteinersatz, Genome Editing oder die Immunzell-Programmierung.
Rudolph stellte eigene Forschungen mit ETH47 vor. Diese mRNA kodiere für INF-λ und funktioniere virusunabhängig. Warum ist das wichtig? Bei Asthma- und COPD-Patienten sind Attacken und Exazerbationen oft assoziiert mit diversen Virusinfektionen. Die IFN-λ-Konzentration korreliere invers mit der Schwere der Symptome.
ETH47 wird nasal verabreicht und in vivo translatiert zu IFN-λ. In Mäusen werde das Protein in der Lunge produziert und könne die Todesrate an Influenza senken, berichtete der Forscher. Bei Frettchen könne das Medikament Fieber nach einer Influenza-A-Infektion verhindern. Phase-I-Studien hätten gezeigt, dass es bis zur höchsten Dosis sicher sei und weder Fieber noch einen Zytokinanstieg auslöse. »Das war ein großer Erfolg.«
In einer Phase-II-Studie wurden 50 Asthmapatienten gezielt mit Rhinoviren infiziert. Eine sehr hohe Virusreplikation, wie in der Placebogruppe beobachtet, blieb bei Vorbehandlung mit ETH47 aus.
Die Firma Ethris entwickle gemeinsam mit dem europäischen NOFLU-Konsortium nun neuartige, nasal applizierte mRNA-Impfstoffe gegen pandemische Influenza, erklärte Rudolph. Das Vorhaben werde mit 13 Millionen Euro gefördert. Ethris steuere die selbst entwickelte, grundlegende Technologie einer stabilisierten, nicht immunogenen mRNA bei.
Als Höhepunkt der Feier verabschiedeten die Professoren Fürst und Dr. Franz Paintner, Studiendekan des Departments für Pharmazie, alle Bachelor- und Master-Absolventinnen und -Absolventen persönlich und überreichten ihnen Glückwunsch- und Anerkennungsschreiben. Koller gratulierte gemeinsam mit Fürst 66 jungen Menschen zum erfolgreichen Abschluss des Staatsexamensstudiengangs.
Mit großer Anerkennung und Dankbarkeit wandte sich Absolventin Huynh Phuong Anh Le an alle Absolventinnen und Absolventen und deren Familien und würdigte auch den großen Einsatz der Lehrenden und Mitarbeitenden der Fakultät. Ein hervorragend zusammengestellter Film zeigte allen Anwesenden, warum es sich trotz aller Mühen lohnt, Pharmazie zu studieren.