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Vaginalgesundheit
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Sommer, Sonne, Scheidenpilz

Schweiß, Reibung durch vermehrte Outdoor-Aktivitäten sowie Chlor- und Salzwasser: Der Sommer macht es dem vaginalen Ökosystem nicht gerade einfach, im Gleichgewicht zu bleiben. Werden Milchsäurebakterien zurückgedrängt, drohen Dysbiosen, Mykosen und Harnwegsinfektionen.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 23.07.2024  09:00 Uhr

Clotrimazol als Maß

Ist eine Selbstmedikation möglich, kann das Apothekenteam aus einer Reihe von Präparaten wählen. »Die Heilungsergebnisse sind bei allen oralen und lokalen Antimykotika gleich«, informierte Mendling. »Nach spätestens drei Tagen Behandlung muss der Juckreiz verschwunden sein, sonst ist die Pilzdiagnose zu überdenken«, gab der Gynäkologe einen wichtigen Beratungstipp.

Weltweiter Standard ist nach wie vor der bewährte Wirkstoff Clotrimazol, der gezielt gegen Candida albicans wirkt. Der Zusatz von Milchsäure in Clotrimazol-haltigen Präparaten verbessere zwar die Bioverfügbarkeit, führe allerdings laut des Experten nicht zu besseren Heilungsergebnissen. Als weiteres Imidazol kommt Fenticonazol, als Polyen Nystatin zum Einsatz.

Bei chronisch rezidivierenden Candidosen werde primär oral mit Fluconazol behandelt, berichtete Mendling. Die Therapie dauere mindestens sechs Monate, danach seien etwa 85 Prozent der Patientinnen pilzfrei. Hauptrisiko für die Entwicklung immer wiederkehrender Candidosen seien orogenitale Sexualkontakte. Die routinemäßige Mitbehandlung des Partners erachtet der Experte nur dann für nötig, wenn er Symptome zeigt.

Creme, Tabletten, Ovula?

Laut Apothekencoach Kirsten Hien erzielt man bessere Therapieerfolge, wenn man Vagina und Vulva kombiniert behandelt - also sowohl mit Vaginaltabletten oder -ovula als auch mit Vaginalcreme. Die Apothekerin empfahl bevorzugt eine Drei-Tage-Kombitherapie mit 2-prozentiger Creme (wie KadeFungin® 3 mit 3x200 mg Clotrimazol Tabletten, Vagisan® Myko Kombi 3 Tage mit Vaginalzäpfchen). Bei einer Ein-Tages-Therapie (zum Beispiel Vagisan® Myko Kombi, Canesten® Gyn Once) ist die Vaginaltablette mit 500 mg Clotrimazol höher dosiert als bei der Drei-Tages-Therapie. »Was den meisten Frauen aber nicht klar ist: Die Creme ist niedriger dosiert und muss für ein bis zwei Wochen angewendet werden«, so Hien.

Die Vaginaltabletten sollten abends vor dem Schlafengehen, idealerweise in Rückenlage, eingeführt werden, die Creme wird dreimal täglich auf Vulva, Damm und die Analregion aufgetragen. Vaginaltherapeutika eignen sich in der Regel nicht zur Anwendung während der Menstruation. Zum Kontakt mit Latexkondomen sollte man mindestens 48 Stunden Abstand halten, ebenso zu anderen vaginalen Zubereitungen. Zur Hilfe beim Einführen sind einigen Präparaten Applikatoren beigelegt. Schwangere sollten diese nicht verwenden. Es besteht die Gefahr, den Applikator zu weit einzuführen und so das Kind zu gefährden. Vaginalzäpfchen mit Nystatin können gelbliche, solche mit Povidon-Jod hingegen braune Verfärbungen der Unterwäsche verursachen.

Hien empfahl, bei der festen Darreichungsform auf die Vorlieben der Kundin einzugehen. Bei Ovula entstehe häufig ein fettiger Rückfluss. Die Tabletten lösten sich in der Regel gut auf – die Kadefungin-Vaginaltabletten etwa enthalten einen schäumenden Brausesatz, der den Zerfall in wenig Flüssigkeit fördere. Bei Scheidentrockenheit allerdings könne die vorhandene Scheidenflüssigkeit eventuell nicht zum Auflösen ausreichen.

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