| Theo Dingermann |
| 30.03.2026 16:20 Uhr |
Die Thymusdrüse sind zwei asymmetrische Lappen, die hinter dem Brustbein liegen. / © Adobe Stock/Matthieu Louis
Der Thymus ist ein zentrales Immunorgan, das für die Reifung von T-Zellen entscheidend ist. Ab der Pubertät wird das Thymusgewebe mehr und mehr durch funktionsloses Fettgewebe ersetzt, eine Entwicklung, die als Involution bezeichnet wird. Lange wurde angenommen, dass er im Erwachsenenalter keine Rolle mehr spielt. Das ist aber nicht der Fall, wie jetzt zwei Publikationen zeigen.
Die Hauptaussage: Die Thymusgesundheit kann mittels Bildgebung über den Grad der Verfettung des Organs ermittelt werden. Diese ist interindividuell stark unterschiedlich und eignet sich, um Krankheiten, Überleben und Ansprechen auf Immuntherapien bei Krebserkrankungen vorherzusagen.
»Unsere Analysen zeigen erstmals, dass die Thymusgesundheit ein unabhängiger Vorhersagewert für Überleben und Krankheitsrisiken ist. Besonders bemerkenswert ist, dass wir diese Informationen aus routinemäßigen computertomographischen Aufnahmen gewinnen konnten«, sagt Dr. Simon Bernatz von der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt, Erstautor beider Publikationen, in einer Mitteilung der Universität.
Doch was ist ein gesunder Thymus? Um dies zu definieren, entwickelte das internationale Team um Bernatz ein Deep-Learning-Analyseverfahren, um Computertomografie(CT)-Aufnahmen zu bewerten und so einen kontinuierlichen »Thymus-Gesundheits-Score« zu berechnen. Dieser dient als Surrogatmarker für die Thymusaktivität und damit für die Fähigkeit, ein möglichst breitesT-Zell-Repertoire zu bilden.
In der ersten Arbeit zeigen die Forschenden um Bernatz anhand von Daten von mehr als 27.000 Erwachsenen aus der National Lung Screening Trial (NLST) und der Framingham Heart Study (FHS), dass Personen mit hoher thymischer Gesundheit eine deutlich reduzierte Gesamtmortalität sowie ein geringeres Risiko für Lungenkarzinome und kardiovaskuläre Ereignisse aufwiesen. Die Effekte blieben auch nach der Adjustierung für Alter, Geschlecht, Rauchen und Komorbiditäten bestehen. Besonders bemerkenswert ist die Größenordnung dieser Assoziationen. So halbierte sich nahezu in der NLST-Kohorte das Sterberisiko bei hoher gegenüber niedriger thymischer Gesundheit.
Die Forschenden untersuchten auch, wie diese Befunde mechanistisch zu erklären sind. So korrelierte die thymische Gesundheit negativ mit systemischer Inflammation, gemessen beispielweise durch die IL-6- oder CXCL-Chemokine-Konzentrationen, und mit anderen ungünstigen metabolischen Parametern. Demgegenüber sind protektive Faktoren wie hohe Werte von High-Density Lipoprotein (HDL) positiv mit der thymischen Gesundheit assoziiert. Lebensstilfaktoren, insbesondere Rauchen und Adipositas, zeigen konsistente negative Effekte.
Damit wird der Thymus in einen pathophysiologischen Kontext gestellt, der Immunalterung, chronische Entzündung (Inflammaging) und metabolische Dysregulation miteinander verknüpft.