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DAV, GKV, Versender etc.
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So reagiert der Apothekenmarkt auf die E-Rezept-Verschiebung

Kurz vor dem Starttermin des E-Rezepts wartete das Bundesgesundheitsministerium (BMG) gestern mit einer Bescherung der besonderen Art auf und zog für das Mammutprojekt vorerst die Reißleine. Die Testphase wird demnach verlängert, die Umsetzung erfolgt nach und nach. Die Entscheidung stößt überwiegend auf Zustimmung, aber für die Versender zieht sie Verluste nach sich.
AutorKontaktCornelia Dölger
AutorKontaktBenjamin Rohrer
Datum 21.12.2021  18:00 Uhr

Aktien der Onlinehändler im Sturzflug

Bis dahin muss sich jetzt auch der (digitale) Gesundheitsmarkt auf die politische Kehrtwende einstellen – die hat nämlich auch handfeste finanzielle Folgen: Späteres E-Rezept bedeutet insbesondere für die EU-Versender, dass die lang ersehnten milliardenschweren Umsatzsprünge weiter auf sich warten lassen. Insbesondere Doc Morris und die Shop Apotheke lauern seit Jahren auf größere Anteile bei der Rx-Abgabe, die ohne E-Rezept aber bislang zu umständlich ist (Rezepte per Post). Mit dem E-Rezept sollten neue Zeiten für die Versender anbrechen – beide Konzerne haben sich in den letzten Monaten stark auf die Reform eingestellt und entsprechend investiert. Das E-Rezept gilt als Umsatztreiber für die Doc-Morris-Mutter Zur Rose und Co. Dass diese neue Ära nun erstmal in weite Ferne rückt, ließ die Börsenkurse der mächtigen Kapitalgesellschaften einbrechen. Heute Vormittag rutschten die Aktien der Shop Apotheke um 6,7 Prozent ab, lagen zwischenzeitlich  sogar auf dem tiefsten Stand seit Juli 2020. Gleichzeitig büßten die Papiere der Doc Morris-Mutter Zur Rose ordentlich ein. Lagen sie am gestrigen Montag noch bei 288,50 Schweizer Franken, waren sie am heutigen Dienstag (Stand 15.10 Uhr) nur noch 249,25 Franken pro Anteilsschein wert, das ist ein Minus von mehr als 13 Prozent – Tendenz am Nachmittag stark fallend. Innerhalb einer Woche ist die Zur Rose-Aktie mittlerweile um mehr als 20 Prozentpunkte abgerutscht.

Doc Morris ließ heute eilig wissen, man wolle sich nun einbringen, damit das E-Rezept doch noch zeitnah zum Zuge komme. »Zusammen mit allen anderen Beteiligten werden wir unseren maximalen Beitrag dazu leisten, dass die flächendeckende, verpflichtende Einführung zügig voranschreitet und umgesetzt wird«, teilte der Versender in einem Statement mit. Das werde dem BMG signalisiert. Immerhin habe der Koalitionsvertrag sich die beschleunigte Einführung des E-Rezepts zum Ziel gesetzt. Hierbei könne das BMG auf Doc Morris zählen. Die Zur-Rose-Gruppe gehe  trotz der Verschiebung davon aus, dass das E-Rezept im Jahr 2022 eingeführt werde. Insofern würden sich die mittelfristigen Wachstumsziele nicht verändern.

 

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