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Kniearthrose
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Schmerzmittel mit neuem Wirkprinzip in Phase III

Das Capsaicin-Analogon Resiniferatoxin wird in Phase III klinisch getestet. Er soll bei Kniearthrose zur Schmerzlinderung führen. Wenn alles so läuft, wie der Hersteller plant, könnte der Wirkstoff im Jahr 2025 auf den Markt gelangen.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 19.08.2022  15:45 Uhr

Bei der Gonarthrose kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Neben NSAR (lokal und systemisch) unter anderem später auch Opioide. Resiniferatoxin (RTX) wäre dagegen eine weitere nicht-opioide Behandlungsoption. Der Wirkstoff ist ein hochpotenter Agonist am Ionenkanal TRPV1 (Transient Receptor Potential Vanilloid 1) und hat damit das identische Target wie Capsaicin.

Tatsächlich ist RTX ein Capsaicin-Analogon, das allerdings 500 bis 1000-mal potenter – und auch dementsprechend schärfer – ist. Enthalten ist RTX als Naturstoff im Wolfsmilchgewächs Euphorbia resinfera. Die kaktusähnliche Pflanze bietet wohl mit das Schärfste, was die Natur zu bieten hat, und wächst im Atlasgebirge Marokkos. Sie sollte auf keinen Fall verzehrt werden.

Die Verabreichung von RTX kann TRPV1-exprimierende Nozizeptoren reversibel defunktionalisieren. Bisherige Daten zeigen eine lang anhaltende und signifikante schmerzlindernde Wirkung und funktionelle Verbesserungen im Vergleich zu Placebo sowie ein günstiges Sicherheitsprofil.

Wie Hersteller Grünenthal meldet, ist nun das Phase-III-Studienprogramm mit RTX gestartet. Insgesamt sollen weltweit mehr als 1800 Patienten mit Kniearthrose, die alle verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft haben und immer noch unter mäßigen bis starken Schmerzen leiden, teilnehmen. Geprüft werden Wirksamkeit und Sicherheit von intraartikulären Injektionen von RTX bei Erwachsenen. Die wirksamkeitsbezogenen Endpunkte konzentrieren sich hauptsächlich auf eine Verbesserung der Schmerz- und Funktionswerte im Western Ontario and McMaster Universities (WOMAC) Osteoarthritis Index. Der Beobachtungszeitraum beträgt bis zu 52 Wochen.

Positive Studienergebnisse vorausgesetzt, strebt Grünenthal an, im kommenden Jahr einen Antrag auf Zulassung einzureichen, was zu einem möglichen Markteintritt von RTX im Jahr 2025 führen könnte. Bei positivem Ausgang des jetzigen Phase-III-Programms beabsichtigt Grünenthal, das Potenzial von RTX für die Behandlung von Arthrose-bedingten Schmerzen in weiteren Gelenken zu untersuchen. Auch als Option bei Tumorschmerz ist der Wirkstoff im Gespräch und wird klinisch getestet.

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