Chronische Schmerzen: Selbstbeobachtung sollte nur auf eine begrenzte Zeit stattfinden. / © Adobe Stock/deagreez
Ein Schmerztagebuch führen? Diesen Rat geben viele Ärztinnen und Ärzte Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden – ohne dass sie die zentrale Ursache genau kennen.
Dr. Ulrike Kaiser, Psychologische Psychotherapeutin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, plädiert dafür, statt von einem Schmerztagebuch von einem Aktivitäten- und Befindlichkeitstagebuch zu sprechen. Ein Buch mit einem solchen Titel zu führen, sei für Betroffene motivierender.
Ein Aktivitäten- und Befindlichkeitstagebuch könne dabei helfen, Muster bei Schmerzen zu erkennen und mögliche Auslöser zu identifizieren, sagt Kaiser, die Mitglied im Präsidium der Deutschen Schmerzgesellschaft ist. Zugleich zeige das Geschriebene, welchen Einfluss welche Aktivitäten auf das Schmerzempfinden haben.
Betroffene können neben der Stärke der Schmerzen und den durchgeführten Aktivitäten auch Stimmungen und häufige Gedanken notieren.
Das Tagebuch sollte aus Sicht der Expertin aber kein Dauerprojekt sein. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Menschen mit chronischen Schmerzen sich darauf fokussieren, ihre Schmerzen zu beobachten. »Das trägt wenig dazu bei, die Schmerzen zu lindern«, so Kaiser.
Ihr zufolge sollte man ein Aktivitäten- und Befindlichkeitstagebuch nicht länger als vier bis sechs Wochen und nur mit einem bestimmten Zweck führen. Etwa, um die eigenen Schmerzen und ihre Auslöser zu Beginn einer Therapie besser kennenzulernen.