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Erregerabwehr
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Schleimhaut trifft Immunsystem

Nicht nur unsere Haut will gehegt und gepflegt sein. Auch die Schleimhäute etwa in Mund- und Rachenraum profitieren von einer Unterstützung. Sind sie intakt, helfen sie dank des integrierten MALT-Systems dem systemischen Immunsystem bei der Arbeit. 
AutorKontaktElke Wolf
Datum 04.03.2024  10:30 Uhr

Genauso wie die Haut erfüllt auch die Schleimhaut im Nasen-Rachen-Raum verschiedene Aufgaben. Eine wesentliche ist die Barrierefunktion gegenüber Krankheitserregern sowie deren Abtransport. Wie man heute weiß, fungiert die Schleimhaut nicht nur als physikalische Barriere, sondern interagiert durch das integrierte Mukosa-assoziierte lymphatische Gewebe (MALT-System) als echtes Schutzschild.

Die gesamte innere Oberfläche vieler (Hohl-)Organe des Körpers ist quasi mit Schleimhaut ausgekleidet. Der dieser Mukosa aufliegende viskose Schleim (Mucus) wird von Becherzellen in der Epithelschicht freigesetzt und arbeitet eng mit den darunterliegenden Strukturen des MALT zusammen. Dieses System umfasst eine Vielzahl von Immunzellen, darunter Makrophagen, Lymphozyten und dendritische Zellen, die darauf spezialisiert sind, Krankheitserreger zu erkennen und zu bekämpfen. Das Mukosagewebe enthält etwa drei Viertel aller Lymphozyten und auch die meisten Immunglobuline A werden hier produziert. Insofern ergänzt das MALT-System die systemische Immunabwehr an forderster Front.

Je nach Körperregion ist das MALT unterschiedlich ausgeprägt und wird entsprechend benannt. Am besten untersucht ist das mit dem Gastrointestinaltrakt assoziierte GALT (gut-associated lymphoid tissue), das Ansammlungen von Lymphfollikeln in Form von Peyer’s Plaques im Dünndarm, den Appendix vermiformis (Wurmfortsatz) und zahlreiche isolierte lymphatische Follikel im gesamten Darm umfasst. Das Bronchien-assoziierte lymphatische Gewebe (BALT) ist in den unteren Atemwegen und den Bronchien lokalisiert, während das NALT-System mit Lymphgewebe in Mund, Nasenhöhle und Pharynx einschließlich der Tonsillen für die Immunabwehr im Nasen-Rachen-Raum bereitsteht. Zudem scheint auch das jeweils ansässige Mikrobiom eine wichtige Rolle für die Toleranzentwicklung zu spielen.

Das NALT trägt unter anderem zur Kontrolle von Atemwegsinfekten bei und vermittelt die sogenannte »Schleimhautimmunität«, die etwa im Zuge der Covid-19-Impfstoffe diskutiert wurde. Eine Impfung gegen Coronaviren baut dagegen vor allem einen systemischen Schutz auf, nicht jedoch eine vollständige Schleimhautimmunität. Das erklärt, warum Geimpfte nicht »steril« sind und nach wie vor Coronaviren übertragen können.

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