| Cornelia Dölger |
| 24.03.2026 18:00 Uhr |
Das BMG setzt sich für die berühmten gleich langen Spieße bei lokalen und Versandapotheken ein. Die Logistiker der Versender sollen die Versandbedingungen einschließlich Transport- und Lagerungstemperaturen einhalten müssen. / © Adobe Stock/joyfotoliakid
Dass es beim Arzneimittelversand regulatorische Versäumnisse gibt, hat die Politik erkannt. De facto wird nicht kontrolliert, ob EU-Versender die Vorgaben für Lieferkühlketten einhalten oder nicht; weder die deutschen noch die ausländischen Behörden dürfen oder wollen hier tätig werden.
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will nachsteuern und plant mit der anstehenden Apothekenreform schärfere Vorgaben für die Versender. Im Blick hat man die Logistiker von Shop Apotheke, Doc Morris und Co. Konkret sollen die Paketdienste per Änderung der Apothekenbetriebsordnung (ApoBetrO) dazu verpflichtet werden, die Versandbedingungen einschließlich Transport- und Lagerungstemperaturen einzuhalten, auch bei einer längeren Dauer bis zur Zustellung. Und wenn ein Ereignis negativen Einfluss auf die Qualität und Wirksamkeit des Arzneimittels haben könnte, muss die Apotheke informiert werden.
Bis die Regelung in Kraft tritt, dürfte es nicht mehr lange dauern – die zugrunde liegende »Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und weiterer Verordnungen« soll parallel zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) greifen, das Mitte April im Bundestag beschlossen werden soll. Das Thema Kühlketten beim Versandhandel wird nach Informationen der PZ in den Beratungen aktuell noch einmal angefasst, es soll demnach Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ein Anliegen sein, persönlich mitzureden.
Auf den letzten Metern warnt vor diesem Hintergrund der Versandhandel vor einer Versorgungslücke, die sich angeblich durch die geplante Verschärfung ergebe. Olaf Heinrich, CEO von Redcare (vormals Shop Apotheke), stellt in einem Standpunkt bei »Table Briefings« fest: »Die Bundesregierung ist dabei, einen essenziellen Versorgungsweg abzuschneiden – ohne jede Evidenz, ohne konkretes Problem und mit enormen Risiken für die Arzneimittelversorgung von Millionen Menschen.«
Der Versand »unter pharmazeutischer Verantwortung der Apothekenleitung« gehöre seit mehr als 20 Jahren zur Versorgungslandschaft, so Heinrich. Es gebe keine »strukturellen Qualitäts- oder Sicherheitsdefizite«. Bereits jetzt bestünden strenge Anforderungen an den Versandhandel. Das BMG habe mehrfach erklärt, dass keine Hinweise auf Risiken beim Transport vorlägen.
Und dennoch plane es mit den verschärften Regeln einen »Systembruch«, der einen Versorgungsweg für mehr als 26 Millionen Menschen »abrupt abschneiden« würde, kritisiert Heinrich. Logistikunternehmen auf pharmazeutische Anforderungen zu verpflichten, würde ihm zufolge die Unternehmen in eine Rolle drängen, »die sie weder erfüllen können noch übernehmen werden«.