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Konvergente Evolution
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SARS-CoV-2 mutiert jetzt anders

Während die Entwicklung verschiedener Varianten von SARS-CoV-2 noch vor einem Jahr in großen Sprüngen erfolgte, hat sich das seit der Dominanz der Omikron-Variante geändert. Diese splittet sich zunehmend in Untervarianten auf, die unabhängig voneinander ähnliche Mutationen entwickeln. Ein beunruhigender Trend, denn er geht in die Richtung einer besseren Immunflucht.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 13.10.2022  18:00 Uhr

Besorgniserregende Entwicklung

In einer aktuellen Studie, die bisher nur als Preprint verfügbar ist, präsentieren Professor Dr. Yunlong Cao und Kollegen vom Biomedical Pioneering Innovation Center (BIOPIC) an der Peking University Hinweise darauf, dass immer mehr neue Omikron-Subvarianten mit einem ähnlichen Mutationsmuster in der RBD gefunden werden. Die Autoren zeigen, dass diese konvergenten Mutationen zu einem Unterlaufen der Immunität führen können, wie sie etwa durch Rekonvaleszenzplasma, einschließlich des Plasmas von Genesenen mit BA.5-Durchbruchinfektion, und verfügbaren therapeutischen Antikörpern wie Tixagevimab/Cilgavimab (Evusheld®) und Bebtelovimab vermittelt wird.

»Konvergente RBD-Evolution bedeutet, dass die RBD-Mutationen, die in kürzlich aufgetauchten SARS-CoV-2-Omikron-Sublinien nachgewiesen werden, an denselben Stellen (Hotspots) konvergieren, einschließlich der Positionen R346, K444, V445, G446, N450, L452, N460, F486, F490, und R493«, erklärt Cao gegenüber »New Atlas«. Und er ergänzt: »Dass diese konvergenten Evolutionsmuster jetzt offensichtlich werden, könnte bedeuten, dass SARS-CoV-2 nun viel häufiger als zuvor immunevasive Mutationen entwickeln könnte.«

Kurz bevor Cao seinen Preprint publizierte, veröffentlichte der Virologe und »Abwasserdetektiv«, wie er sich selbst bezeichnet, Professor Dr. Marc Johnson auf Twitter eine Grafik, mit der er die Abstammungslinien der häufigsten Konvergenzvarianten visualisierte. Es dauerte dann nur wenige Tage, bis aus der übersichtlichen Darstellung ein kaleidoskopisches Durcheinander von Verbindungen geworden war. Täglich wurden neue Verbindungslinien gezogen, weil unterschiedliche Untervarianten zu denselben Mutationsmustern in der RBD konvergierten.

Johnson hatte die Mutationen fast alle bereits in Virusfragmenten aus Abwasserproben gesehen. Er glaubt, dass diese Abstammungslinien das Ergebnis langfristiger Covid-19-Infektionen sind, die hauptsächlich im Darm von Personen persistieren, die beispielsweise immungeschwächt sind und das Virus nicht komplett eliminieren können. »Hier kann das Virus, das nicht den beschwerlichen Weg über Infektionen von Mensch zu Mensch gehen muss, quasi auf eine evolutionäre Schnellvorlauftaste drücken, um so viel schneller zu optimieren als die zirkulierenden Linien«, erklärt Johnson gegenüber »New Atlas«.

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