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Organbefall
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SARS-CoV-2 bildet Reservoire in Herz und Hoden

Mit SARS-CoV-2 infizierte Personen können in unterschiedlichen Organen des Körpers, vor allem im Herz und in den Hoden, Virus-Reservoire ausbilden, die auch neue Varianten enthalten. Das deutet darauf hin, dass das Virus neue Varianten aus einer laufenden Infektion hervorbringen kann.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 16.02.2023  07:00 Uhr
Tendenz zur Kompartimentierung mit zunehmender Infektionsdauer

Tendenz zur Kompartimentierung mit zunehmender Infektionsdauer

Die Forschenden fanden mehr Anzeichen für eine Kompartimentierung bei Probanden, bei denen der Zeitraum zwischen dem Auftreten der Symptome und dem Tod größer gewesen war. Bei einer Person ließen sich keine gewebespezifischen hochfrequenten Varianten in einem der fünf untersuchten extrapulmonalen Gewebe nachweisen. Bei dieser Person hatte zwischen Symptombeginn und Tod nur ein Tag gelegen; der kurze Krankheitsverlauf bot wahrscheinlich nicht genügend Zeit, um eine Kompartimentierung zu etablieren.

Im Gegensatz dazu ließen sich bei einer anderen Person, bei der neun Tage zwischen dem Auftreten der Symptome und dem Tod lagen, zehn gewebespezifische Hochfrequenzvarianten in extrapulmonalen Geweben nachweisen, was stark auf eine Kompartimentierung hindeutet. Die kompartimentierte Infektion im Herzen dieses Patienten stand im Einklang mit der sehr hohen Viruslast und den starken histopathologischen Hinweisen auf eine Infektion der Kardiomyozyten. Dies untermauert die Hypothese, dass eine direkte Infektion zu den bei einigen Covid-19-Patienten beobachteten organspezifischen Folgen führen kann.

Die Hoden, die bei dem Patienten ebenfalls Anzeichen für eine kompartimentierte Infektion aufwiesen, sind ein bekanntes immunprivilegiertes Organ. Dies bedeutet, dass dieses Gewebe durch Teile des Immunsystems nicht angegriffen oder zerstört werden kann. Hoden werden nachweislich auch von verschiedenen anderen Krankheitserregern infiziert, was auch Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und eine potenzielle sexuelle Übertragung des Virus haben kann.

Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen zweifelsfrei den Befall unterschiedlicher extrapulmonaler Organe bei den untersuchten Patienten. Bedenklich ist vor allem der Befall immunprivilegierter Organe, da dieser zu einer anhaltenden gewebespezifischen Pathologie und/oder einer eventuellen Reaktivierung führen kann.

Darüber hinaus bietet eine persistierende Infektion, insbesondere bei einem immunsupprimierten Patienten, ein Umfeld für eine anhaltende virale Evolution, die zur Entstehung von Varianten innerhalb des infizierten Wirts führen kann und bereits länger schon als potenzielle Quelle für neue, bedenkliche Varianten vermutet wird.

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