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Echtzeitstudie zu Covid-19
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Risiko für Krankenhaussterblichkeit sinkt deutlich bei Geimpften

Die Aufarbeitung der Pandemie läuft auf vielen Ebenen – politisch, gesellschaftlich und wissenschaftlich. Dabei werden auch immer wieder Fragen nach der Sinnhaftigkeit einer Impfung diskutiert, die, wenn überhaupt, nur kurz vor einer Infektion schützt. Dokumentationen zu klinischen Krankheitsverläufen können als zuverlässige Basis für eine Bewertung dienen.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 21.02.2023  11:00 Uhr

Als Reaktion auf die Pandemie wurde im September 2020 vom »Indian Council of Medical Research (ICMR)« das »National Clinical Registry for Covid-19 (NCRC)« eingerichtet. Dabei handelt es sich um eine fortlaufende Datenerfassungs-Plattform, die 42 Krankenhäuser in ganz Indien nutzen. Dieses Register erweist sich jetzt als eine zuverlässige Quelle für qualitativ hochwertige Echtzeitdaten, die eine evidenzbasierte Beurteilung der Pandemieauswirkungen möglich machen.

Dies nutzten jetzt Forschende um Dr. Ein Mukherjee vom ICMR in Neu-Delhi unter anderem, um den Nutzen von Coroaimpfungen bei schwer an Covid-19 erkrankten Patienten abzuschätzen. Die Ergebnisse ihrer Arbeit publizierten sie jetzt im »QJM: An International Journal of Medicine«. Demnach betrug das Odds Ratio der Krankenhaussterblichkeit bei stationär behandelten Covid-19-Patienten, die eine oder zwei Dosen eines Coronaimpfstoffs erhalten hatten,  0,5 beziehungsweise 0,4.

Ergebnisse basieren auf Daten von mehr als 29.000 stationär behandelten Patienten

Für ihre Studie werteten die Forschenden die Daten von 29.509 Patienten aus, die zwischen dem 1. September 2020 und dem 26. Oktober 2021 aufgrund von Covid-19 stationär behandelt worden waren. Das mittlere Alter der Patienten betrug 51,1 Jahre und 63,6 Prozent von ihnen waren männlich.

Bei der Hospitalisierung wiesen 15.678 Patienten (53,1 Prozent) der Patienten mindestens eine Komorbidität auf. Die am häufigsten vertretenen Komorbiditäten waren Bluthochdruck (32,4 Prozent) und Diabetes mellitus (26,2 Prozent). Chronische Herzerkrankungen und chronische Nierenerkrankungen lagen bei 5,7 Prozent beziehungsweise 3,6 Prozent.

87,1 Prozent der betrachteten Patienten waren symptomatisch. Dabei war Fieber das häufigste Symptom (72,3 Prozent), gefolgt von Kurzatmigkeit (48,9 Prozent) und trockenem Husten (45,5 Prozent). Insgesamt verstarben im Krankenhaus 3957 Patienten, was einer Krankenhaussterblichkeit von 14,5 Prozent entspricht. Mit 3418 Patienten ereigneten sich die meisten Todesfälle innerhalb der ersten 14 Tage des Krankenhausaufenthalts.

Das Alter (≥ 60 Jahre) der Patienten erwies sich als das größte Risiko, an der Krankheit zu versterben, gefolgt vom Geschlecht (Männer > Frauen) und den Grunderkrankungen Diabetes, chronische Nierenerkrankung, chronische Lebererkrankung, bösartige Tumore sowie Tuberkulose.

Generell hatten Patienten, die bei der Hospitalisierung nach der neunstufigen WHO-Skala zur Klassifizierung des klinischen Schweregrads mit 4 oder höher eingestuft wurden, das höchste Risiko für einen tödlichen Ausgang der Krankheit. Vier Punkte auf dieser Skala erhalten Patienten, die stationär behandelt und über eine Beatmungsmaske oder eine Nasenkanüle mit Sauerstoff versorgt werden müssen.

Risiko für Sterblichkeit sinkt deutlich bei Geimpften

Die Autorinnen und Autoren berechneten das Odds Ratio für die Krankenhaussterblichkeit von Patienten ab 40 Jahren im Vergleich zu Patienten im Alter von 18 bis 39 Jahren. Das Odds Ratio für die Krankenhaussterblichkeit stieg auf 1,3 und 1,9 für Patienten, die 40–59 Jahre beziehungsweise über 60 Jahre alt waren. Für Patienten, die nach der WHO-Skala mit 4 oder höher eingestuft wurden, lag die Sterbewahrscheinlichkeit (Odds Ratio) bei 5,6.

Hatten die Patienten eine oder zwei Dosen eines Coronaimpfstoffs erhalten, war das Risiko, an Covid-19 zu sterben, nur noch halb so groß: Das Odds Ratio für die Krankenhaussterblichkeit betrug noch 0,5 beziehungsweise 0,4. Diese Daten verdeutlichen die große Bedeutung der Coronaimpfung für den Schutz vor Mortalität durch Covid-19.

Die Autorinnen und Autoren räumen Limitationen ihrer Studie ein. Da es sich hier um eine aufzeichnungsbasierte Studie in Krankenhäusern handelt, hängen die ermittelten Ergebnisse natürlich von der Sorgfältigkeit ab, mit der die Symptome, Komorbiditäten, Komplikationen und Laborparameter identifiziert und dokumentiert wurden. Zudem fehlen Daten von Patienten, die in andere Kliniken verlegt oder gegen ärztlichen Rat entlassen wurden.

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