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Neue Approbations-Ordnung
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Ringen um einen Konsens

Welche Punkte sind Studierenden, Lehrenden und Standesvertretern bezüglich einer Neuordnung der Approbationsordnung wichtig? Warum hat der Bundesverband der Pharmaziestudierenden (BPhD) den Entwurf nicht mitgezeichnet? Das wurde bei einem Panel auf der Expopharm letzte Woche in Düsseldorf diskutiert.
AutorKontaktWiebke Gaaz
Datum 06.10.2023  11:00 Uhr

Das Positionspapier als erster Entwurf einer Novellierung wurde im Mai 2022 von der Bundesapothekerkammer und weiteren Organisationen der Apothekerschaft verabschiedet. Es enthält zahlreiche Vorschläge zur Anpassung des Studiums an sich ändernde Anforderungen des späteren Berufs. Wichtige Punkte sind etwa, die klinische Pharmazie und die Pharmakologie zu erweitern, das Studium dafür zu verlängern, die Famulatur von acht auf vier Wochen zu verkürzen, und die Anfertigung einer wissenschaftlichen Arbeit.

Laila Haroon, Beauftragte für Lehre und Studium beim BPhD, betonte, wie wichtig die Ergebnisse des Papiers sind. Der BPhD unterstützt auch den zentralen Punkt, die Verlängerung des Studiums um zwei Semester. Aber: »Der Grund für die Ablehnung des Entwurfs ist der, dass in ihm gleichzeitig eine Erhöhung der Semesterwochenstunden vorgesehen ist.« Eine repräsentative Umfrage des BPhD unter Studierenden hatte ergeben, dass drei von vier Studierenden einer Verlängerung zustimmen würden, wenn im Gegenzug die wöchentliche Arbeitsbelastung sinkt. Die Studierenden hätten zu wenig Zeit, sich intensiv mit den Inhalten der Lehre auseinanderzusetzen, erklärte Haroon.

Viel Lernstoff muss untergebracht werden

Professor Dr. Bernd Clement, Pharmazeutisches Institut der Christian-Albrechts-Universität Kiel, zeigte Verständnis. »Mir wäre es auch lieber gewesen, die Workload zu reduzieren. Es hat sich allerdings als sehr schwierig erwiesen, einen Konsens innerhalb der Fächer herbeizuführen.« Der Stoff sei auch in zehn Semestern schlecht unterzubringen, und das Studium zu teilen in einen wissenschaftlichen Bereich und einen für die öffentliche Apotheke, wolle in Deutschland keiner.

Die Bandbreite der naturwissenschaftlichen Ausbildung macht für Haroon das Studium der Pharmazie besonders attraktiv. Sie bedauerte, dass das wissenschaftliche Arbeiten bislang zu kurz komme. Der Entwurf sieht demnach vor, das Wahlpflichtfach zu streichen und stattdessen eine wissenschaftliche Arbeit vorzuschreiben, um mit anderen naturwissenschaftlichen Studienfächern konkurrenzfähig zu bleiben.

Auch Clement ist der Ansicht, dass dies die Attraktivität des Studiums erhöhen würde. »Studierende lernen momentan zwar das wissenschaftliche Arbeiten, können es aber nicht in einer eigenen Arbeit demonstrieren. Außerdem verlieren wir viele Schülerinnen und Schüler, weil sie gerne eine wissenschaftliche Arbeit anfertigen wollen.« Auch für die internationale Vergleichbarkeit sei eine solche Arbeit wichtig.

Die klinische Pharmazie und die Pharmakologie sollen in der novellierten Approbationsordnung mehr Raum bekommen und beide Fächer zukünftig besser aufeinander abgestimmt werden. Die Professuren sollten nach Ansicht von Clement in der Pharmazie (und nicht in anderen Fachbereichen) angesiedelt sein.

Die Grundlagen sollten schon im Grundstudium gelehrt werden, um im Hauptstudium darauf aufbauen zu können, ergänzte Patrick Neumann, Stationsapotheker einer klinikversorgenden Apotheke in Niedersachsen. Er versteht die klinische Pharmazie als Vermittler zwischen Theorie und Praxis, zudem biete sie die Möglichkeit, mit Ärzten auf Augenhöhe zu kommunizieren. »Medizinern fehlt oft das Verständnis dafür, wann sie einen Apotheker fragen können. Bei uns auf Station wissen die Ärzte das mittlerweile.«

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