| Theo Dingermann |
| 03.07.2026 14:00 Uhr |
Auch die Mähfrequenz beeinflusst die Biodiversität, allerdings weniger stark als der eigentliche Mähvorgang. Mit zunehmender Zahl jährlicher Schnitte nahmen vor allem Zikaden, Wanzen und Heuschrecken deutlich ab. Andere Gruppen wie Spinnen oder Zweiflügler reagierten dagegen vergleichsweise wenig empfindlich.
Überraschend ist, dass obwohl eine höhere Schnitthöhe häufig als Naturschutzmaßnahme empfohlen wird, diese keinen konsistent positiven Effekt auf die Vegetationsbewohner hat. Dagegen erwies sich die Arbeitsbreite der Maschinen als relevanter Einflussfaktor.
Mit zunehmender Versiegelung im Umfeld einer Grünfläche nahm die Arthropodendichte deutlich ab. Zwischen vollständig unversiegelten Standorten und Flächen mit 90 Prozent versiegelter Umgebung lagen die Unterschiede bei nahezu 40 Prozent. Besonders empfindlich reagierten wiederum Zikaden und Spinnen, während einzelne Gruppen wie Ameisen oder einige Wanzenarten sogar höhere Dichten in stärker urbanisierten Bereichen erreichten. Die Ergebnisse verdeutlichen damit, dass nicht allein die lokale Pflege, sondern auch die Einbettung einer Fläche in die Landschaft über ihren ökologischen Wert entscheidet.
Der Online-Insekten-Rechner bietet zwei Nutzungsmodi. Ein einfacher »Walking Mode« richtet sich an interessierte Bürger und erlaubt bereits mit wenigen Angaben Vorhersagen zur Insektenvielfalt einer Wiese. Der umfangreichere »Expert Mode« ermöglicht Fachanwendern, sämtliche Bewirtschaftungsparameter individuell zu variieren und deren kombinierte Auswirkungen auf Arthropodendichte und Artenzahl unmittelbar zu berechnen. Eine Schnittstelle zu »iNaturalist« zeigt potenziell vorkommende Arten mit Fotos. Damit verbindet das System wissenschaftliche Modellierung, Umweltbildung und digitale Biodiversitätskommunikation.
Die Forschenden weisen allerdings ausdrücklich auf die Grenzen ihres Ansatzes hin. Die Modelle beruhten auf linearen Vorhersagen und könnten komplexe Wechselwirkungen zwischen allen Umweltfaktoren nur eingeschränkt berücksichtigen, heißt es. Ebenso fehlen bislang Parameter wie Beweidungsintensität, Düngung, Witterung oder nachgelagerte Ernteprozesse.
Für sozial lebende Ameisen oder stark aggregiert auftretende Blattläuse sind Vorhersagen zudem grundsätzlich schwieriger als für andere Arthropodengruppen. Trotz dieser Einschränkungen erreichten die Modelle für die meisten untersuchten Tiergruppen eine gute Vorhersagegenauigkeit.