Die Bundesärztekammer positioniert sich klar gegen Gewalt gegenüber Gesundheitspersonal und arbeitet bereits an einem anonymen Meldetool für Betroffene. / © Imago / Bernhard Herrmann
Das Bundeskabinett verabschiedete am vergangenen Mittwoch den Gesetzentwurf zur »Stärkung des strafrechtlichen Schutzes des Gemeinwesens«. Unter besagten Schutz fallen auch Gesundheitsberufe wie Apothekenpersonal. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt blickt dem stärkeren strafrechtlichen Schutz in einer Pressemitteilung zustimmend entgegen. »Wer medizinisches Personal angreift, gefährdet die Versorgung von Patientinnen und Patienten«, so Reinhardt.
»Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Medizinische Fachangestellte und andere Beschäftigte im Gesundheitswesen helfen Menschen in schwierigen und oftmals hochbelastenden Situationen. Sie müssen ihre Arbeit ausüben können, ohne bedroht, beleidigt oder körperlich angegriffen zu werden«, erklärt der Präsident weiter.
Eine gesetzliche Verschärfung begrüßt die Bundesärztekammer demnach, allerdings müsse auch für die Umsetzung gesorgt sein: »So richtig und notwendig diese Maßnahmen sind, bleibt dennoch entscheidend, dass Strafverfolgungsbehörden ausreichend ausgestattet werden und Anzeigeverfahren einfacher, schneller und niedrigschwelliger gestaltet sind«, sagte Reinhardt.
Sowohl die Aufnahme aller Angehörigen der Heilberufe als auch die besondere Bedeutung ihrer Tätigkeiten bei der Strafzumessung begrüßt die Kammer. Für die Zukunft sei ein niedrigschwelliges Meldesystem für Vorfälle dieser Art entscheidend. Die Möglichkeit, Geschehnisse anonym bei einer einheitlichen Meldestelle angeben zu können, müsse gewährleistet sein. Die Bundesärztekammer arbeite bereits an einem derartigen Tool. »Unser Ziel ist es, Übergriffe systematisch sichtbar zu machen und eine belastbare Grundlage für Prävention und Schutzmaßnahmen zu schaffen«, so Reinhardt.
Um die Lage und verschiedene Erfahrungen einschätzen zu können, wurden die Followerinnen und Follower der PZ auf Instagram um ihre Teilnahme bei einer nicht repräsentativen Umfrage zu Gewaltvorkommnissen in der Apotheke gebeten. 35 Prozent der Teilnehmenden gaben an, bereits Gewalt in einer Apotheke miterlebt zu haben. Bei 65 Prozent war dies hingegen nicht der Fall. Und 58 Prozent der Befragten haben sich schon einmal in einer Apotheke bedroht gefühlt zu haben, während dies bei 42 Prozent nicht der Fall war.
Auch zur Häufigkeit von Gewaltvorkommnissen konnten Aussagen getroffen werden: 31 Prozent gaben an, selten Gewalt durch aggressive Kundschaft zu erleben, 57 Prozent gelegentlich, acht Prozent häufig und vier Prozent sehr häufig.
Die Gründe für das aggressive Verhalten der Kundschaft variieren hierbei. 16 Prozent gaben an, dass nicht lieferbare Medikamente der Grund gewesen seien, und rund 60 Prozent nannten Rezept- und Verordnungsproblematiken. 17 Prozent äußerten Preise und Zuzahlungen als Auslöser, sieben Prozent Wartezeiten.
Die Followerinnen und Follower konnten auch Aussagen zu Gewalthilfeinstanzen tätigen, die in solchen Situationen helfen können. 29 Prozent erwarten Schulungen zum Umgang mit Konfliktsituationen, 21 Prozent klare Unterstützung durch das Team. Zahlreichere Sicherheitsmaßnahmen hielten 31 Prozent für notwendig, und 19 Prozent wünschten sich klare Vorgaben seitens des Arbeitgebers.
Abschließend stuften 29 Prozent der Antwortenden die gesetzliche Neuerung für eher sinnvoll ein, 36 Prozent für sehr sinnvoll, 26 Prozent für eher weniger sinnvoll und neun Prozent für sinnlos.