| Johanna Hauser |
| 27.03.2026 16:00 Uhr |
Bei der Delegiertenversammlung der Apothekerkammer Hamburg wurde leidenschaftlich diskutiert. / © PZ/Hauser
Der Kammerpräsident zog in seinem Bericht ein positives Fazit zum Protesttag am 23. März 2026. Der Eindruck in Hannover sei überwältigend gewesen. Nach Angaben der ABDA hätten bundesweit 25.000 Protestierende teilgenommen und bis dato 105.000 Menschen (Stand 24. März 2026) die begleitende Petition unterzeichnet.
Er selbst habe in den vergangenen Wochen und Monaten viele Gespräche geführt, auch mit Politikern, die nicht direkt mit dem Thema Gesundheit zu tun haben. Über Franziska Hoppermann (CDU) sei ein Kontakt zu Bundesgesundheitsministerin Warken zustande gekommen. In dem 45-minütigen Gespräch habe er die Standpunkte der Apotheker untermauert und verdeutlicht, dass eine Abkehr von der inhabergeführten Apotheke das ganze System gefährde, so Gnekow.
Die Flexibilität des derzeitigen Systems habe es Apothekern ermöglicht, den Anforderungen der Pandemie kurzfristig und zuverlässig gerecht zu werden. Dies dürfe nicht leichtfertig verspielt werden, beispielsweise über die geplante PTA-Vertretung. Interessanterweise wisse Warken, warum die Apothekerschaft hier so allergisch reagiere. Denn mit dem Versandhandel habe man schon einmal »ein Thema bekommen, das nicht wieder wegzukriegen ist«.
Warken habe erneut bekräftigt, dass sie die Erhöhung des Fixums wolle. An einer Querfinanzierung aus dem Dienstleistungstopf werde man wohl in Anbetracht der niedrigen Ausschüttung nicht vorbeikommen, so Gnekow. Man könne schlecht argumentieren, mehr Geld zu wollen, während gleichzeitig eine hohe Summe bereit liege, die nicht abgerufen werde.
Aber es gebe auch positive Ansätze. Das von der Ministerin geplante Primärversorgungssystem schließe Apotheken ausdrücklich als niederschwellige Anlaufstellen ein. Über das erweiterte Leistungsspektrum mit neuen Dienstleistungen und einer erweiterten Impfkompetenz werde die Bedeutung der Apotheken innerhalb der Gesundheitsversorgung ausgebaut.
Der geplante Herz-Kreislauf-Check in der Apotheke (»3B« – Blutdruck, Blutzucker, Blutfette) fördere auch das Ansehen in der Bevölkerung, betonte Gnekow. Mit der Verordnung der neuen Dienstleistungen durch Ärzte solle die Zusammenarbeit der Berufsgruppen gefördert werden. Dies sei ein erklärtes Ziel der Ministerin.
Die neuen Aufgaben, resümierte Gnekow, böten neue Chancen, aber auch neue Notwendigkeiten hinsichtlich Qualitätssicherung, Fortbildungsnachweis und Beratung. Denn: »Die Abgabe von Packungen können andere besser.«