| Jennifer Evans |
| 09.06.2026 08:00 Uhr |
Wer sich bei anderen Tipps holt, trifft meist auf offene Ohren. Ratschlaggebende profitieren laut einer Studie nämlich genauso vom Austausch. / © Imago/Westend61
Viele Menschen zögern, andere um Rat zu bitten, weil sie sich Sorgen machen, sie könnten zur Last fallen oder dem Gegenüber die Zeit stehlen. Eine Studie des Exzellenzclusters ECONtribute der Universitäten Bonn und Köln zeigt jedoch, dass diese Hemmschwelle sinkt, sobald Ratsuchende verstehen, dass auch die andere Seite etwas gewinnt.
Wer erkennt, dass die ratgebende Person sich wertgeschätzt fühlt und selbst bei dem Austausch neue Einsichten sammeln kann, fragt demnach deutlich häufiger nach Unterstützung. Die Kontaktaufnahme steigt um fast 40 Prozent, während die Qualität der Ratschläge stabil bleibt. Die Ergebnisse erschienen im Fachblatt »Academy of Management Journal«.
Das Forschungsteam testete diesen Effekt in zwei Feldexperimenten mit Arbeitssuchenden und in vier Online-Studien mit Berufstätigen aus verschiedenen Branchen. Die Teilnehmenden baten gezielt um Tipps zu Karrierewegen, Unternehmen oder Branchen. Besonders stark war der profitable Effekt, wenn die Ratsuchenden unbekannte oder statushohe Personen ansprachen. Also in genau jenen Situationen, in denen viele Menschen am meisten zögern, haben sie gleichzeitig am meisten zu gewinnen.
»Das Wissen um die Vorteile für Ratgebende ist ein wirksames Mittel, die eigenen Ängste, anderen zur Last zu fallen, zu überwinden und professionelle Chancen zum Netzwerken häufiger zu nutzen«, betonte die Wirtschaftspsychologin und Mitautorin der Studie Professorin Dr. Anne Burmeister in einer Mitteilung der Uni Köln. Auch Unternehmen könnten diese Erkenntnis nutzen, etwa bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitender oder um den Wissensaustausch über Hierarchie- und Abteilungsgrenzen hinweg zu fördern.